Mittwoch, 25. Dezember 2013

Zu Bethlehem geboren ...

Mein Weihnachtsfest hier in Jerusalem war ganz anders als sonst. Keine Familie, kein Schnee und keine Würstel mit Kartoffelsalat.



Am Vormittag des 24. begann beim Herrichten die heiße Phase. Unser Hörsaal wurde kurzerhand zum Weihnachtszimmer umfunktioniert. Schon zwei Tage zuvor haben ein paar Jungs einen „Baum“ organisiert – nun ja die Bezeichnung Busch trifft es eher. Es handelte sich dabei um den riesigen Ast einer Kiefer, der durch den Schnee vor einer Woche herunter gebrochen ist. Bäume gab es dieses Jahr leider nicht zu kaufen, also haben wir improvisiert.
Unser "Baum"


May-Britt und Tamara beim Schmücken
 

Heilig Abend begann mit der feierlichen Vesper in der Kirche. Anschließend gab es für uns Studenten und die angereisten Freunde und Familien Rindersteaks mit Kartoffelgratin und danach selbstgemachte Plätzchen und Glühwein. Unterm Baum haben wir gemeinsam ein paar Weihnachtslieder gesungen und Wichtelgeschenke getauscht, bevor dann die Ersten zum evangelischen Gottesdienst in der Erlöserkirche aufgebrochen sind. Die Christmette in der Dormitiokirche begann erst um Mitternacht. 






Als ich um halb zwölf zum Einsingen in die Kirche ging, war das Kirchenschiff schon gut gefüllt. An Weihnachten kommen viele säkulare Israelis in die christlichen Kirchen, um deutsche und englische Weihnachtslieder zu hören. Sie füllten gestern nicht nur die Stühle sondern saßen auch auf den Stufen oder am Boden. Langsam und nur mit Mühe konnten sich die Ministranten und Priester, begleitet von unserem „Nun freut euch ihr Christen“, einen Weg hindurch bis zum Altarraum bahnen. Wir, der Chor und viele der gekommenen Christen saßen neben der Orgel auf der Empore. Unten im Kirchenschiff war ungewohnt viel Bewegung. Immer wieder haben sich Leute umgesetzt oder sind zwischendurch rausgegangen. Trotzdem war es eine feierliche Christmette.

Blick von der Empore

Der Abt predigt



Danach gab’s für alle Mitwanderer Tee, Kaffee und Pannetone (der gar nicht so schlecht geschmeckt hat, wie Jan Weiler es beschrieben hat) zur Stärkung immerhin ist es jetzt schon 1:39 Uhr. 40 Minuten später erklingt in der Kirche „Transeamus usque Bethlehem“ (Wir gehen ohne Unterbrechung nach Bethlehem), die Namensrolle wird gesegnet und dick eingepackt machten wir uns auf den Weg. Es sind um die 100 Menschen mitgegangen.
Die Rolle der Namen vor dem Abmarsch
 
Ganz viele weitere Bilder, die Predigt von Abt Gregory und ein Video (auf dem ich zu sehen bin) findet ihr übrigens auf der Facebook-Seite der Dormitio.


Seit inzwischen 10 Jahren braucht man für die Strecke von Jerusalem nach Bethlehem einen Reisepass, denn man muss die Mauer zwischen Israel und dem Westjordanland durchqueren. Die Nacht war klar, aber je weiter wir aus der Stadt heraus und näher an den Checkpoint kamen, desto windiger wurde es. Kurz nach 4 Uhr am Checkpoint. Es war seltsam, wie wir ohne Probleme passieren konnten, während von der anderen Seite um diese Uhrzeit viele Palästinenser standen und darauf warteten zur Arbeit nach Jerusalem gelassen zu werden.





Dann endlich 4.35 Uhr die Geburtskirche kommt in Sicht bzw. zuerst der gewaltige Plastikchristbaum auf dem Vorplatz, der nur aus bunten Lichtern zu bestehen scheint. Ein wenig erschöpft reinen meine Gehpartnerin Annika und ich uns in die Schlange vor der Geburtsgrotte ein.

Annika und ich vor der Geburtskirche in Bethlehem, es ist 5.15 Uhr 


Die Namensrolle ist in den letzten Stunden von Hand zu Hand gewandert. Auch ich habe für ein Stück unseres Weges die über 36.000 Namen und Geschichten, die dahinter stehen, getragen. In der Geburtsgrotte in Bethlehem bringen wir sie bewusst vor Gott, der für uns ganz Mensch wurde vor 2000 Jahren und immer wieder neu.



Wir beten das Morgenlob in einer der Nachbargrotten, denn „ein Kind geborn in Bethlehem, halleluja, des freuet sich Jerusalem, halleluja, halleluja.“ Um 5:30 Uhr verklingt das letzte Lied und schlagartig spüre ich die Müdigkeit in jedem Knochen. Es dauert schier ewig bis das Taxi, dass uns heimfährt, kommt. Ein wenig benommen tappe ich den Weg zum Beit Josef hoch, es gelingt mir nur mit Mühe das Farbspiel der Morgenröte zu bewundern. Ich falle ins Bett und schlafe sofort ein.

Das ist kein Fotoshop

Ohne Frühstück, dafür war keine Zeit mehr, geht es um 11 Uhr wieder in die Kirche zum Hochamt. Als Belohnung lädt P. Nikodemus danach zu einem Aperitif ein. Und die Küche übertrifft sich selbst mit einem fabelhaften Festtagsmenü: Es gibt Ente (oder Gans) in zartsüßer Soße mit Maroni-Blaukraut und Kartoffelplätzchen – zum Reinlegen.


Bei so viel Essen hilft als Ausgleich nur Bewegung. Unser Weihnachtsspaziergang geht auf den Ölberg. Die Sonne strahlt, nur ein leichtes Lüftchen geht und eröffnet einen tollen Blick auf Jerusalem. 

Ein toller gemeinsamer Spaziergang

Die Dormitiokirche auf dem Zion


Um uns herum geht alles seinen gewohnten Gang, die Reiseführer, die Souvenir-Händler in der Altstadt, der Muezzin und doch ist Weihnachten, hier in Jerusalem. Es war ganz anders als zu Hause, auf seine Weise schön. Ich kann gar nicht alle Gefühle und Eindrücke der letzten 30 Stunden fassen.

Montag, 23. Dezember 2013

Advent - Ankunft

Viel zu schnell sind die Tage im Dezember vergangen.
Schon steht der Heilige Abend vor der Tür.

Was so los war - Adventskalender, Nikolaus und Schnee -, erzähle ich in dem Blogeintrag auf der Dormitio-Homepage.

Seit Samstag sind wir offiziell in den Semester-Weihnachtsferien. Damit ist schon die Hälfte meiner Zeit im Heiligen Land vorbei.

Am vierten Adventssonntag war ich bei einem Krippenspiel in der Erlöserkirche. Es war ziemlich surreal mitten in der Jerusalemer Altstadt, ein Krippenspiel mit über 10 Kindern zu sehen, die selbstverständlich deutsch sprechen.

Heute dazu Kontrastprogramm: Zu sechst haben wir uns auf den Weg nach Ein Kerem im Westen von Jerusalem gemacht, zum St. Vincent Krankenhaus für Kinder mit besonderen Bedürfnissen. Wir haben uns gemeldet, bei ihrer Weihnachtsfeier als Musiker mitzuwirken. Es ist schwer zu sagen, was sie von uns überhaupt wahrgenommen haben.

Ich freu mich jetzt auf das Herrichten des Baumes morgen vormittag, auf die Probe für die Christmette und den gemeinsamen Abend.

Mittwoch, 11. Dezember 2013

Adventszeit - hektische Zeit

Liebe Blogleser,

ich hab mir dieses Jahr das gleiche Ziel gesetzt, wie jedes Jahr: Eine besinnliche Adventszeit ohne Stress v.a. hier im Heiligen Land, diese Chance muss man doch NUTZEN!!!
Und es ist mal wieder nix. 

Auf meinem Schreibtisch stapeln sich die Bücher für die Seminararbeit. Abgabetermin ist nächste Woche und dann will noch ein Essay über das Goldene Tor geschrieben werden. Deadline ist der 26.12., denn da kommt hoher Besuch in mein bescheidenes Zimmer. Und eigentlich bin ich ja am 25.12. um 0.00 Uhr zu einer Geburtstagsparty eingeladen, wie es so mancher Pfarrer in der predigt ausdrückt. Also muss ich mich ranhalten.

Also seit mir nicht böse, wenn ich mich ein wenig rar mache, aber die Wissenschaft geht ausnahmsweise mal vor. Vielleicht nur so viel: Zur Zeit hören wir Vorlesungen über die Christologie im NT und im außereuropäischen Raum sowie zum Talmud. Wir waren heute bei strömendem Regen im Israel Museum (da ist nicht alles überdacht). Letzten Freitag war ich auf dem armenischen Adventsbazar und anschließend kam der Nikolaus ins Studienjahr. Ich hab die hebräischen Zahlen von 1-12 gelernt und kann jetzt auf der Straße nach der Uhrzeit fragen, versteh aber nur die vollen Stunden. Und heute Abend hatten wir einen Gastvortrag von einem Gründungsmitglied der Organisation "Breaking the Silence - Israeli Soldiers talk about the occupied territories". Schaut am besten mal auf der Internetseite vorbei. Des war sehr interessant. 

Bis bald
Martina

PS: Auch wenn ich gerade keine Zeit habe selber zu schreiben, freue ich mich trotzdem von euch zu lesen. Also E-Mail-Programm auf oder Stift und Papier zur Hand --> Los geht's!

Sonntag, 1. Dezember 2013

1. Advent - das Warten beginnt

An diesem Wochenende ist es inmitten von Chanukka-Leuchtern, Krapfen und bei angenehm herbstlichen Temperaturen in Jerusalem Advent geworden.

Die Juden begehen seit Mittwoch das Lichterfest Chanukka, bei dem der Wiedereinweihung des II. Tempels 164 v. Chr. gedacht wird. Um das Fest rankt sich die Legende: Damals im Tempel war für so eine Art ewiges Licht nur ein Kännchen reines Öl da war. Man benötigte aber 8 Tage, um weiteres reines Öl herzustellen. Und durch ein Wunder brannte der Leuchter von dem einen Kännchen Öl solange, bis neues Öl bereit stand. Deshalb haben Chanukka-Leuchter 8 Kerzen (eine für jeden Tag) + 1 Kerze für den Diener, von dem aus die anderen entzündet werden. In der Altstadt stehen die Chanukka-Leuchter meistens vor den Haustüren. Kurz vor dem Dunkelwerden sieht man dann die Familien drum rum stehen beten und die KErzen anzünden.

In den jüdischen Bäckereien gibt es jetzt überall Krapfen gefüllt mit Marmelade, Vanillecreme oder auch schon mal Baileys.

Mittendrin im Chanukka-Getümmel hat die Erlöserkirche gestern ihren Adventsmarkt veranstaltet. Natürlich war auch die Dormitio Abtei am Start. Pater Jonas und Bruder Simon Petrus haben mit ihren Helfern Currywurst verkauft. Es gab Glühwein, Plätzchen und Waffeln, Kerzen, Selbstgemachtes uvm. Es war ein ungewohntes Gefühl im dünnen Pullover heißen Glühwein zu trinken. Aber nach dem zweiten Becher war des überhaupt kein Problem mehr.

Der richtige Beginn war abends die Segnung des riesigen Adventskranzes in der Kirche und heute morgen der Gottesdienst, mit Studentenschola. Zum Beginn des neuen Kirchenjahres durfte ich heute den Antwortpsalm (Ps 122) nach der ersten Lesung singen. Mit einem schönen Text finde ich:

Freut euch allezeit, wir ziehn dem Herrn entgegen.

1        Ich freute mich, als man mir sagte: 
          „Zum Haus des Herrn wollen wir pilgern.
2        Schon stehen wir in deinen Toren, Jerusalem:
3        Jerusalem, du starke Stadt,
          dicht gebaut und fest gefügt. 
4        Dorthin ziehen die Stämme hinauf, die Stämme des Herrn,
          wie es Israel geboten ist,
          den Namen des Herrn zu preisen.
5        Denn dort stehen Throne bereit für das Gericht,
          die Throne des Hauses David.
6        Erbittet für Jerusalem Frieden!
          Wer dich liebt, sei in dir geborgen.
7        Friede wohne in deinen Mauern,
          in deinen Häusern Geborgenheit.
8        Wegen meiner Brüder und Freunde
          will ich sagen: In dir sei Friede.
9        Wegen des Hauses des Herrn, unseres Gottes,
          will ich dir Glück erflehen. 

Vor dem Mittagessen haben wir dann auch den Studienjahrs-Adventskranz angezündet und in meinem Zimmer hab ich auch schon ein bisschen dekoriert.
Jetzt versuche ich noch Sterne zu basteln, vor einem Jahr hat des doch noch geklappt?!