Galiläa hat für das Judentum und das Christentum eine
besondere Bedeutung. Für das Christentum, weil Jesus hier gelebt und gewirkt
hat und für das Judentum, weil Galiläa nach den beiden jüdischen Kriegen (70 nC
und 135 nC) der Rückzugsort für die aus Jerusalem vertriebenen Juden wurde.
Hier entwickelte sich das rabbinische Judentum.
Deshalb findet man hier viele Synagogen- und
Kirchenbauten. Und man könnte fast meinen, die Studienleitung hat sich zum Ziel
gesetzt, uns jeden einzelnen davon zu zeigen. Interessant ist das beide
Religionen in der byzantinischen Zeit einen ähnlichen Baustil verwendet haben.
Viele Synagogen und Kirchen haben Apsiden und den Grundriss einer Basilika
(ursprl. römischer Versammlungsraum).
Am Beginn unserer Tour stand Bet Alpha. Dort hat
man eine Synagoge aus dem 6. Jh. mit einem sehr gut erhaltenen Mosaik gefunden.
Die Synagoge wurde vermutlich gegen Ende des 6. Jh. durch ein Erdbeben
zerstört. Dadurch wurde das Mosaik vor menschlichen Zerstörungen bewahrt und
man kann die Bindung Isaaks, den Tierkreis und den Toraschrein heute noch gut
erkennen.
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| Ein Löwe |
Als nächstes kam Hammat Tiberias direkt am See
Genezareth. Dort entspringen heiße Quellen, die dem Ort seinen Namen geben
(hebr. ham = warm). Man kann hier die Reste verschiedener Synagogenbauten
übereinander sehen. Wie in Bet Alpha findet sich ein Tierkreis auf dem
Fußboden, der in das 4. Jh. datiert wird. Diese Synagoge wird im 5. Jh.
zerstört und eine neue darüber gebaut. Dadurch wird das Fußbodenmosaik stark in
Mitleidenschaft gezogen.
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| Detail aus dem Tierkreis. Erkennt ihr die abgebildeten Sternbilder? |
Und noch eine dritte Synagoge mit Tierkreis schauen wir
(unter meiner Führung J)
an – die Synagoge von Sepphoris aus dem 5. Jh. Das Mosaik auf dem Fußboden
stammt aus dem 5. Jh. und zeigt eine ähnliche Szenerie wie in Bet Alpha, aber
noch detaillierter und kunstvoller. Es ist eine großartige Komposition, von
Gottes Heilszusage an das Volk Israel, seiner Herrschaft über die Welt und der
Verwirklichung in einem zukünftigen Tempel. Wer nach Israel kommt, sollte Sepphoris unbedingt besuchen. Da es zur Zeit
Jesu und danach ein wichtiges Zentrum war wurden auch Reste von römischen
Straßen, einem Theater und Häusern reicher „Städterer“ mit weiteren Mosaikböden
gefunden.
Ohne Mosaik dafür aber älter ist die Synagoge von Bar’am
aus dem 2./3. Jh. Im 18. Jh. wurde der Ort von den jüdischen Bewohnern verlassen.
Im 19. Jh. siedelten sich christliche Araber (Maroniten) an und bauten eine
kleine Kirche. Sie wurden im Unabhängigkeitskrieg gewaltsam von hier
vertrieben, ihre Häuser zerstört. Ähnlich erging es auch den Nachbardörfern.
Bis heute versuchen die Maroniten wieder zurückkehren zu dürfen. Wir haben
einen, der zu diesem Zweck in Bar’am campiert bei unserem Besuch zufällig
getroffen und er hat uns durch die Ruinen der arabischen Siedlung und die
Kirche geführt.
Die Synagoge von Chorazim stammt aus dem 2.-3. Jh.
und zeigt, wie wohlhabend die damalige jüdische Gemeinde des Ortes war. Aber
für Aufsehen haben hier v.a. kleine flinke Tiere, die zwischen den
Ausgrabungsarealen umherhuschten, gesorgt. Unsere ersten Klippdachse auf der
Galiläa-Exkursion! Wer sie noch nicht kennt, einfach mal googeln.
Die Datierung der Synagoge von Kafarnaum ist
umstritten. Einige datieren sie in das 4.-5. Jh. andere bereits früher.
Insgesamt ist sie gut erhalten. Kafarnaum ist einer der Orte, die am häufigsten
im NT erwähnt werden und wird deshalb vermutlich von ALLEN Pilgergruppen
besucht. Hier ist immer Trubel. Neben der Synagoge hat man die Reste einer
oktogonalen Kirche aus dem 5. Jh. gefunden und darunter ein Wohnhaus aus dem 1.
Jh. nC. Vielleicht handelt es sich dabei um das Haus des Petrus?! 1990 wurde
zum Schutz der Ausgrabung darüber eine Kirche errichtet.
Jetzt zur Schwesterreligion und den Kirchenbauten rund um
den See
In unmittelbarer Nähe zu der Brotvermehrungskirche in
Tabgha, die ja auf den Überresten einer byzantinischen Kirche steht, befindet
sich die Primatskapelle über einem Stein, an dem Joh 21 (Nachlesen!) verortet
wird. Auch sie steht auf den Resten einer Kapelle. Daneben am Ufer finden sich
herzförmige Sockel, deren Zweck ungeklärt ist. Eine weitere (moderne) Kirche
steht auf dem Berg der Seligpreisungen.
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| Die beiden Vögel haben die Zerstörer übersehen |
Auf der Ostseite des Sees liegt Kursi. Dort wird
die Dämonenaustreibung nach Mk 5,1-20 („die mit den ins Meer stürzenden
Schweinen“) memoriert. Die gefundene Basilika stammt aus dem Übergang zwischen dem
5. und 6. Jh. Die ganze Kirche war mit Mosaikböden ausgekleidet. Einige sind
heute noch sichtbar. Jedoch wurden die meisten Tierdarstellungen systematisch
zerstört.
Am gleichen Tag brachte uns der Bus auf einen nur selten
von Touristen besuchten Berg – zu der ehemaligen Stadt Hippos. Die Stadt
wurde in hellenistischer Zeit (2. Jh. v. Chr.) gegründet und bestand bis zu dem
großen Erdbeben von 749. In römischer Zeit gehörte sie zur Dekapolis (wie schon
Skytopolis). Aus byzantinischer Zeit finden sich hier einige Kirchen mit
Mosaikböden. Das Gelände ist noch nicht als offizieller Nationalpark eröffnet
und auch nicht entsprechend beschildert. Die Mosaikböden wurden nach dem Fund
wieder mit Erde bestreut. Und so konnten wir selbst in die Rolle eines
Archäologen schlüpfen und durch vorsichtiges (!) Beiseiteschieben der Erde eigene
Entdeckungen machen.
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| In der Kathedrale |
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| "archäologische Arbeit" |
Es ist ein bisschen befremdlich, dass rund um die Felder
bei Hippos Landminen-Warnschilder hängen. Dadurch wird bewusst, dass hier nicht
nur ein Schauplatz antiker Geschichte sondern auch ein Schauplatz der
Geschichte des modernen Staates Israel ist. Hippos liegt mitten im Kampfgebiet des
Sechs-Tage-Krieges von 1967.
Nazareth – einmal ein kleines Dorf – ist heute eine arabisch-christlich
geprägte Stadt. Im Zentrum befindet sich die Verkündigungsbasilika. Sie ist besonders,
da ihr Altarbild erst nach dem II. Vatikanum gestaltet wurde. Es zeigt das
wandernde Gottesvolk. Wir haben noch weitere Kirchen in Nazareth besucht, eine
griech.-orthodoxe und eine, die Jesu Ansprache in der Synagoge von Nazareth
memoriert wird.
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| von außen |
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| von innen |
Ganz in der Nähe ist der Berg Tabor. Die Kirchenväter lokalisierten
hier die Verklärung von Jesus Christus (Mt 17,1-9 und Parallelstellen). Von
oben hat man einen tollen Rundblick, v.a. wenn man wie wir zu Fuß hochgegangen
ist. Die Kirche, die man heute besichtigen kann stammt von einem Architekten,
der das ganze Land mit Kirchen überschwemmt hat. In Jerusalem kann man ihm kaum
entgehen und auch hier in Galiläa begegnet man ihm – Antonio Barluzzi.
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| Seht ihr die Serpentinen, da bin ich zu Fuß hoch, ein paar Waghalsige sind geradeaus durch den Wald hoch. |
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| Die Basilika von vorne. |