Mittwoch, 25. Dezember 2013

Zu Bethlehem geboren ...

Mein Weihnachtsfest hier in Jerusalem war ganz anders als sonst. Keine Familie, kein Schnee und keine Würstel mit Kartoffelsalat.



Am Vormittag des 24. begann beim Herrichten die heiße Phase. Unser Hörsaal wurde kurzerhand zum Weihnachtszimmer umfunktioniert. Schon zwei Tage zuvor haben ein paar Jungs einen „Baum“ organisiert – nun ja die Bezeichnung Busch trifft es eher. Es handelte sich dabei um den riesigen Ast einer Kiefer, der durch den Schnee vor einer Woche herunter gebrochen ist. Bäume gab es dieses Jahr leider nicht zu kaufen, also haben wir improvisiert.
Unser "Baum"


May-Britt und Tamara beim Schmücken
 

Heilig Abend begann mit der feierlichen Vesper in der Kirche. Anschließend gab es für uns Studenten und die angereisten Freunde und Familien Rindersteaks mit Kartoffelgratin und danach selbstgemachte Plätzchen und Glühwein. Unterm Baum haben wir gemeinsam ein paar Weihnachtslieder gesungen und Wichtelgeschenke getauscht, bevor dann die Ersten zum evangelischen Gottesdienst in der Erlöserkirche aufgebrochen sind. Die Christmette in der Dormitiokirche begann erst um Mitternacht. 






Als ich um halb zwölf zum Einsingen in die Kirche ging, war das Kirchenschiff schon gut gefüllt. An Weihnachten kommen viele säkulare Israelis in die christlichen Kirchen, um deutsche und englische Weihnachtslieder zu hören. Sie füllten gestern nicht nur die Stühle sondern saßen auch auf den Stufen oder am Boden. Langsam und nur mit Mühe konnten sich die Ministranten und Priester, begleitet von unserem „Nun freut euch ihr Christen“, einen Weg hindurch bis zum Altarraum bahnen. Wir, der Chor und viele der gekommenen Christen saßen neben der Orgel auf der Empore. Unten im Kirchenschiff war ungewohnt viel Bewegung. Immer wieder haben sich Leute umgesetzt oder sind zwischendurch rausgegangen. Trotzdem war es eine feierliche Christmette.

Blick von der Empore

Der Abt predigt



Danach gab’s für alle Mitwanderer Tee, Kaffee und Pannetone (der gar nicht so schlecht geschmeckt hat, wie Jan Weiler es beschrieben hat) zur Stärkung immerhin ist es jetzt schon 1:39 Uhr. 40 Minuten später erklingt in der Kirche „Transeamus usque Bethlehem“ (Wir gehen ohne Unterbrechung nach Bethlehem), die Namensrolle wird gesegnet und dick eingepackt machten wir uns auf den Weg. Es sind um die 100 Menschen mitgegangen.
Die Rolle der Namen vor dem Abmarsch
 
Ganz viele weitere Bilder, die Predigt von Abt Gregory und ein Video (auf dem ich zu sehen bin) findet ihr übrigens auf der Facebook-Seite der Dormitio.


Seit inzwischen 10 Jahren braucht man für die Strecke von Jerusalem nach Bethlehem einen Reisepass, denn man muss die Mauer zwischen Israel und dem Westjordanland durchqueren. Die Nacht war klar, aber je weiter wir aus der Stadt heraus und näher an den Checkpoint kamen, desto windiger wurde es. Kurz nach 4 Uhr am Checkpoint. Es war seltsam, wie wir ohne Probleme passieren konnten, während von der anderen Seite um diese Uhrzeit viele Palästinenser standen und darauf warteten zur Arbeit nach Jerusalem gelassen zu werden.





Dann endlich 4.35 Uhr die Geburtskirche kommt in Sicht bzw. zuerst der gewaltige Plastikchristbaum auf dem Vorplatz, der nur aus bunten Lichtern zu bestehen scheint. Ein wenig erschöpft reinen meine Gehpartnerin Annika und ich uns in die Schlange vor der Geburtsgrotte ein.

Annika und ich vor der Geburtskirche in Bethlehem, es ist 5.15 Uhr 


Die Namensrolle ist in den letzten Stunden von Hand zu Hand gewandert. Auch ich habe für ein Stück unseres Weges die über 36.000 Namen und Geschichten, die dahinter stehen, getragen. In der Geburtsgrotte in Bethlehem bringen wir sie bewusst vor Gott, der für uns ganz Mensch wurde vor 2000 Jahren und immer wieder neu.



Wir beten das Morgenlob in einer der Nachbargrotten, denn „ein Kind geborn in Bethlehem, halleluja, des freuet sich Jerusalem, halleluja, halleluja.“ Um 5:30 Uhr verklingt das letzte Lied und schlagartig spüre ich die Müdigkeit in jedem Knochen. Es dauert schier ewig bis das Taxi, dass uns heimfährt, kommt. Ein wenig benommen tappe ich den Weg zum Beit Josef hoch, es gelingt mir nur mit Mühe das Farbspiel der Morgenröte zu bewundern. Ich falle ins Bett und schlafe sofort ein.

Das ist kein Fotoshop

Ohne Frühstück, dafür war keine Zeit mehr, geht es um 11 Uhr wieder in die Kirche zum Hochamt. Als Belohnung lädt P. Nikodemus danach zu einem Aperitif ein. Und die Küche übertrifft sich selbst mit einem fabelhaften Festtagsmenü: Es gibt Ente (oder Gans) in zartsüßer Soße mit Maroni-Blaukraut und Kartoffelplätzchen – zum Reinlegen.


Bei so viel Essen hilft als Ausgleich nur Bewegung. Unser Weihnachtsspaziergang geht auf den Ölberg. Die Sonne strahlt, nur ein leichtes Lüftchen geht und eröffnet einen tollen Blick auf Jerusalem. 

Ein toller gemeinsamer Spaziergang

Die Dormitiokirche auf dem Zion


Um uns herum geht alles seinen gewohnten Gang, die Reiseführer, die Souvenir-Händler in der Altstadt, der Muezzin und doch ist Weihnachten, hier in Jerusalem. Es war ganz anders als zu Hause, auf seine Weise schön. Ich kann gar nicht alle Gefühle und Eindrücke der letzten 30 Stunden fassen.

Montag, 23. Dezember 2013

Advent - Ankunft

Viel zu schnell sind die Tage im Dezember vergangen.
Schon steht der Heilige Abend vor der Tür.

Was so los war - Adventskalender, Nikolaus und Schnee -, erzähle ich in dem Blogeintrag auf der Dormitio-Homepage.

Seit Samstag sind wir offiziell in den Semester-Weihnachtsferien. Damit ist schon die Hälfte meiner Zeit im Heiligen Land vorbei.

Am vierten Adventssonntag war ich bei einem Krippenspiel in der Erlöserkirche. Es war ziemlich surreal mitten in der Jerusalemer Altstadt, ein Krippenspiel mit über 10 Kindern zu sehen, die selbstverständlich deutsch sprechen.

Heute dazu Kontrastprogramm: Zu sechst haben wir uns auf den Weg nach Ein Kerem im Westen von Jerusalem gemacht, zum St. Vincent Krankenhaus für Kinder mit besonderen Bedürfnissen. Wir haben uns gemeldet, bei ihrer Weihnachtsfeier als Musiker mitzuwirken. Es ist schwer zu sagen, was sie von uns überhaupt wahrgenommen haben.

Ich freu mich jetzt auf das Herrichten des Baumes morgen vormittag, auf die Probe für die Christmette und den gemeinsamen Abend.

Mittwoch, 11. Dezember 2013

Adventszeit - hektische Zeit

Liebe Blogleser,

ich hab mir dieses Jahr das gleiche Ziel gesetzt, wie jedes Jahr: Eine besinnliche Adventszeit ohne Stress v.a. hier im Heiligen Land, diese Chance muss man doch NUTZEN!!!
Und es ist mal wieder nix. 

Auf meinem Schreibtisch stapeln sich die Bücher für die Seminararbeit. Abgabetermin ist nächste Woche und dann will noch ein Essay über das Goldene Tor geschrieben werden. Deadline ist der 26.12., denn da kommt hoher Besuch in mein bescheidenes Zimmer. Und eigentlich bin ich ja am 25.12. um 0.00 Uhr zu einer Geburtstagsparty eingeladen, wie es so mancher Pfarrer in der predigt ausdrückt. Also muss ich mich ranhalten.

Also seit mir nicht böse, wenn ich mich ein wenig rar mache, aber die Wissenschaft geht ausnahmsweise mal vor. Vielleicht nur so viel: Zur Zeit hören wir Vorlesungen über die Christologie im NT und im außereuropäischen Raum sowie zum Talmud. Wir waren heute bei strömendem Regen im Israel Museum (da ist nicht alles überdacht). Letzten Freitag war ich auf dem armenischen Adventsbazar und anschließend kam der Nikolaus ins Studienjahr. Ich hab die hebräischen Zahlen von 1-12 gelernt und kann jetzt auf der Straße nach der Uhrzeit fragen, versteh aber nur die vollen Stunden. Und heute Abend hatten wir einen Gastvortrag von einem Gründungsmitglied der Organisation "Breaking the Silence - Israeli Soldiers talk about the occupied territories". Schaut am besten mal auf der Internetseite vorbei. Des war sehr interessant. 

Bis bald
Martina

PS: Auch wenn ich gerade keine Zeit habe selber zu schreiben, freue ich mich trotzdem von euch zu lesen. Also E-Mail-Programm auf oder Stift und Papier zur Hand --> Los geht's!

Sonntag, 1. Dezember 2013

1. Advent - das Warten beginnt

An diesem Wochenende ist es inmitten von Chanukka-Leuchtern, Krapfen und bei angenehm herbstlichen Temperaturen in Jerusalem Advent geworden.

Die Juden begehen seit Mittwoch das Lichterfest Chanukka, bei dem der Wiedereinweihung des II. Tempels 164 v. Chr. gedacht wird. Um das Fest rankt sich die Legende: Damals im Tempel war für so eine Art ewiges Licht nur ein Kännchen reines Öl da war. Man benötigte aber 8 Tage, um weiteres reines Öl herzustellen. Und durch ein Wunder brannte der Leuchter von dem einen Kännchen Öl solange, bis neues Öl bereit stand. Deshalb haben Chanukka-Leuchter 8 Kerzen (eine für jeden Tag) + 1 Kerze für den Diener, von dem aus die anderen entzündet werden. In der Altstadt stehen die Chanukka-Leuchter meistens vor den Haustüren. Kurz vor dem Dunkelwerden sieht man dann die Familien drum rum stehen beten und die KErzen anzünden.

In den jüdischen Bäckereien gibt es jetzt überall Krapfen gefüllt mit Marmelade, Vanillecreme oder auch schon mal Baileys.

Mittendrin im Chanukka-Getümmel hat die Erlöserkirche gestern ihren Adventsmarkt veranstaltet. Natürlich war auch die Dormitio Abtei am Start. Pater Jonas und Bruder Simon Petrus haben mit ihren Helfern Currywurst verkauft. Es gab Glühwein, Plätzchen und Waffeln, Kerzen, Selbstgemachtes uvm. Es war ein ungewohntes Gefühl im dünnen Pullover heißen Glühwein zu trinken. Aber nach dem zweiten Becher war des überhaupt kein Problem mehr.

Der richtige Beginn war abends die Segnung des riesigen Adventskranzes in der Kirche und heute morgen der Gottesdienst, mit Studentenschola. Zum Beginn des neuen Kirchenjahres durfte ich heute den Antwortpsalm (Ps 122) nach der ersten Lesung singen. Mit einem schönen Text finde ich:

Freut euch allezeit, wir ziehn dem Herrn entgegen.

1        Ich freute mich, als man mir sagte: 
          „Zum Haus des Herrn wollen wir pilgern.
2        Schon stehen wir in deinen Toren, Jerusalem:
3        Jerusalem, du starke Stadt,
          dicht gebaut und fest gefügt. 
4        Dorthin ziehen die Stämme hinauf, die Stämme des Herrn,
          wie es Israel geboten ist,
          den Namen des Herrn zu preisen.
5        Denn dort stehen Throne bereit für das Gericht,
          die Throne des Hauses David.
6        Erbittet für Jerusalem Frieden!
          Wer dich liebt, sei in dir geborgen.
7        Friede wohne in deinen Mauern,
          in deinen Häusern Geborgenheit.
8        Wegen meiner Brüder und Freunde
          will ich sagen: In dir sei Friede.
9        Wegen des Hauses des Herrn, unseres Gottes,
          will ich dir Glück erflehen. 

Vor dem Mittagessen haben wir dann auch den Studienjahrs-Adventskranz angezündet und in meinem Zimmer hab ich auch schon ein bisschen dekoriert.
Jetzt versuche ich noch Sterne zu basteln, vor einem Jahr hat des doch noch geklappt?!

Donnerstag, 28. November 2013

Flurgespräche



Auf dem Weg zur Bibliothek habe ich gerade zwei Frauen, die im Kloster arbeiten getroffen. Sie sprechen so gut wie kein Englisch und haben sich über meine Begrüßung und das "Wie geht's?" auf Arabisch ehrlich gefreut. In diesem Moment ist mir nochmal deutlich geworden, dass es sich dafür schon lohnt, andere Sprachen zu lernen. Ich bin gerade voll motiviert. Aber erst sollte ich für die Ostkirchenprüfung morgen lernen ...

Mittwoch, 27. November 2013

Galiläa um die Zeitenwende



Bis jetzt hab ich euch v.a. von archäologischen Funden weit vor und weit nach Jesu Auftreten erzählt. Aber noch nicht von den großen Städten, die zur Zeit Jesu existiert haben. Dazu gehören Caesarea Philippi ganz im Norden und Caesarea Maritima am Mittelmeer. Beide wurden, wie der Name schon andeutet, zu Ehren des römischen Kaisers erbaut. Auftraggeber waren Herodes der Große bzw. einer seiner Söhne. Heute findet man an beiden Stellen Überreste von Tempeln, einem Theater und Palästen.
Das Pan-Heiligtum in Caesarea Philippi

Stand hier einmal der Herodespalast von Caesarea Maritima?


Eine weitere Stadt ist Skytopolis (heute Bet Schean). Hier hat man v.a. römisch-hellenistische Architektur ausgemacht – Badehäuser, Prachtstraßen, Theater und Latrine, die wir gleich einmal ausprobiert haben. 

öffentliche römische Latrine - hier wurden (im doppelten Sinne) Geschäfte gemacht
 Aber nicht alle Menschen zur Zeit lebten in Städten, sondern vielmehr in Dörfern. Und sie hatten bei weitem kein so luxuriöses Leben, dass sie mehrmals die Woche ins Bad gingen. Durch Steuerlast und Schulden wurden viele an den Rand der Existenz getrieben und haben einen anderen Ausweg gesucht, z. B. in dem sie sich den Zeloten anschlossen, die die Römer mit Gewalt aus dem Land vertreiben wollten. Diese terroristische Vereinigung (römische Sicht) suchte Schutz auf dem Berg Arbel in der Nähe des See Genezareth. (Der Weg da hoch würde meiner Schwester gefallen!) In den Höhlen kann man heute noch Behausungsspuren ausmachen. 
Blick vom Arbel
Es war eine schöne Fahrt, auf der für mich viel Neues dabei war. Aber auch und besonders die Abende und freien Tage haben die Fahrt zu etwas ganz besonderem gemacht: Das gemeinsame Kochen und Beten am See, das Brotvermehrungsfest mit den Arabisch sprachigen Christen aus Galiläa, der Sonntag am See und das Grillfest am letzten Abend.

Sonnenaufgang am See
 Ich freu mich schon auf meinen Nächsten Besuch!

Montag, 25. November 2013

Exkurs: Märchenparty in Beit Josef

Es war einmal ...

Einen Tag nach unserer Rückkehr gab Prinzessin Lilifee (Mama, du kennst sie persönlich) eine Party für Märchengestalten. Martina überlegte hin und her, in welche Gestalt sie schlüpfen könnte. Rapunzel, Wolf, ...?

*Wiki-Intro-Melodie* --> Ja, jetzt hab ich's.

Er ist klein, frech, reimt für sein Leben gern und ist Gustl Bayrhammer auf den Leim gegangen.
Hose und T-Shirt in passenden Farben waren schnell gefunden. Aber wie komm ich an die passende Frisur??

Färben, Tönen oder Sprühen ist mir zu gefährlich. Ich will nicht auf den restlichen Fotos des Studienjahres orange Haare haben. Ich erinnere mich da dunkel an ein Pippi Langstrumpf Kostüm. Also auf in die Altstadt, vielleicht gibt es irgendwo eine Perücke.

Nach 1 Stunde Suche kamen wir an einem Weihnachtsladen - du hast richtig gelesen - mitten in der Altstadt vorbei und da hing eine rote Glitzergirlande. Passt!

Die Party kann beginnen!!!

Pumuckl, Rotkäppchen und Sterntaler auf dem Weg nach unten
Ein schöner Abend, es wurde viel gesungen und getanzt.
Um 2 Uhr ging ich dann endlich hoch in mein Zimmer. Schließlich hab ich mich bereit erklärt am nächsten Tag in der Schola mitzusingen. Also "Perücke" ab, Zähne putzen und ab ins Bett. Aber was ist das,die blonden Haare sind vorne ganz ROT!!!??
Die Plastikgirlande hat abgefärbt. Also verbrachte ich die nächste Stunde mit Haare Waschen, das Rot verwandelte sich in Orange und blieb. Und es gibt keine Frisur, mit der man den Orangestich über der Stirn verbergen kann. Also Schola mit blond-orangen Haaren.

Inzwischen nach einem Bad im Toten Meer und vielen Haarwäschen sieht man nur noch einen schwachen Orangestich über dem rechten Ohr. Alles nochmal gut gegangen. :-) Den Abend werd ich sicher nicht vergessen.

Synagogen und Kirchen allüberall



Galiläa hat für das Judentum und das Christentum eine besondere Bedeutung. Für das Christentum, weil Jesus hier gelebt und gewirkt hat und für das Judentum, weil Galiläa nach den beiden jüdischen Kriegen (70 nC und 135 nC) der Rückzugsort für die aus Jerusalem vertriebenen Juden wurde. Hier entwickelte sich das rabbinische Judentum.



Deshalb findet man hier viele Synagogen- und Kirchenbauten. Und man könnte fast meinen, die Studienleitung hat sich zum Ziel gesetzt, uns jeden einzelnen davon zu zeigen. Interessant ist das beide Religionen in der byzantinischen Zeit einen ähnlichen Baustil verwendet haben. Viele Synagogen und Kirchen haben Apsiden und den Grundriss einer Basilika (ursprl. römischer Versammlungsraum).



Am Beginn unserer Tour stand Bet Alpha. Dort hat man eine Synagoge aus dem 6. Jh. mit einem sehr gut erhaltenen Mosaik gefunden. Die Synagoge wurde vermutlich gegen Ende des 6. Jh. durch ein Erdbeben zerstört. Dadurch wurde das Mosaik vor menschlichen Zerstörungen bewahrt und man kann die Bindung Isaaks, den Tierkreis und den Toraschrein heute noch gut erkennen.



Ein Löwe
Als nächstes kam Hammat Tiberias direkt am See Genezareth. Dort entspringen heiße Quellen, die dem Ort seinen Namen geben (hebr. ham = warm). Man kann hier die Reste verschiedener Synagogenbauten übereinander sehen. Wie in Bet Alpha findet sich ein Tierkreis auf dem Fußboden, der in das 4. Jh. datiert wird. Diese Synagoge wird im 5. Jh. zerstört und eine neue darüber gebaut. Dadurch wird das Fußbodenmosaik stark in Mitleidenschaft gezogen.





Detail aus dem Tierkreis. Erkennt ihr die abgebildeten Sternbilder?
Und noch eine dritte Synagoge mit Tierkreis schauen wir (unter meiner Führung J) an – die Synagoge von Sepphoris aus dem 5. Jh. Das Mosaik auf dem Fußboden stammt aus dem 5. Jh. und zeigt eine ähnliche Szenerie wie in Bet Alpha, aber noch detaillierter und kunstvoller. Es ist eine großartige Komposition, von Gottes Heilszusage an das Volk Israel, seiner Herrschaft über die Welt und der Verwirklichung in einem zukünftigen Tempel. Wer nach Israel kommt, sollte  Sepphoris unbedingt besuchen. Da es zur Zeit Jesu und danach ein wichtiges Zentrum war wurden auch Reste von römischen Straßen, einem Theater und Häusern reicher „Städterer“ mit weiteren Mosaikböden gefunden.



Ohne Mosaik dafür aber älter ist die Synagoge von Bar’am aus dem 2./3. Jh. Im 18. Jh. wurde der Ort von den jüdischen Bewohnern verlassen. Im 19. Jh. siedelten sich christliche Araber (Maroniten) an und bauten eine kleine Kirche. Sie wurden im Unabhängigkeitskrieg gewaltsam von hier vertrieben, ihre Häuser zerstört. Ähnlich erging es auch den Nachbardörfern. Bis heute versuchen die Maroniten wieder zurückkehren zu dürfen. Wir haben einen, der zu diesem Zweck in Bar’am campiert bei unserem Besuch zufällig getroffen und er hat uns durch die Ruinen der arabischen Siedlung und die Kirche geführt.




Die Synagoge von Chorazim stammt aus dem 2.-3. Jh. und zeigt, wie wohlhabend die damalige jüdische Gemeinde des Ortes war. Aber für Aufsehen haben hier v.a. kleine flinke Tiere, die zwischen den Ausgrabungsarealen umherhuschten, gesorgt. Unsere ersten Klippdachse auf der Galiläa-Exkursion! Wer sie noch nicht kennt, einfach mal googeln.


Die Datierung der Synagoge von Kafarnaum ist umstritten. Einige datieren sie in das 4.-5. Jh. andere bereits früher. Insgesamt ist sie gut erhalten. Kafarnaum ist einer der Orte, die am häufigsten im NT erwähnt werden und wird deshalb vermutlich von ALLEN Pilgergruppen besucht. Hier ist immer Trubel. Neben der Synagoge hat man die Reste einer oktogonalen Kirche aus dem 5. Jh. gefunden und darunter ein Wohnhaus aus dem 1. Jh. nC. Vielleicht handelt es sich dabei um das Haus des Petrus?! 1990 wurde zum Schutz der Ausgrabung darüber eine Kirche errichtet.



Jetzt zur Schwesterreligion und den Kirchenbauten rund um den See

In unmittelbarer Nähe zu der Brotvermehrungskirche in Tabgha, die ja auf den Überresten einer byzantinischen Kirche steht, befindet sich die Primatskapelle über einem Stein, an dem Joh 21 (Nachlesen!) verortet wird. Auch sie steht auf den Resten einer Kapelle. Daneben am Ufer finden sich herzförmige Sockel, deren Zweck ungeklärt ist. Eine weitere (moderne) Kirche steht auf dem Berg der Seligpreisungen. 



Die beiden Vögel haben die Zerstörer übersehen
Auf der Ostseite des Sees liegt Kursi. Dort wird die Dämonenaustreibung nach Mk 5,1-20 („die mit den ins Meer stürzenden Schweinen“) memoriert. Die gefundene Basilika stammt aus dem Übergang zwischen dem 5. und 6. Jh. Die ganze Kirche war mit Mosaikböden ausgekleidet. Einige sind heute noch sichtbar. Jedoch wurden die meisten Tierdarstellungen systematisch zerstört.



Am gleichen Tag brachte uns der Bus auf einen nur selten von Touristen besuchten Berg – zu der ehemaligen Stadt Hippos. Die Stadt wurde in hellenistischer Zeit (2. Jh. v. Chr.) gegründet und bestand bis zu dem großen Erdbeben von 749. In römischer Zeit gehörte sie zur Dekapolis (wie schon Skytopolis). Aus byzantinischer Zeit finden sich hier einige Kirchen mit Mosaikböden. Das Gelände ist noch nicht als offizieller Nationalpark eröffnet und auch nicht entsprechend beschildert. Die Mosaikböden wurden nach dem Fund wieder mit Erde bestreut. Und so konnten wir selbst in die Rolle eines Archäologen schlüpfen und durch vorsichtiges (!) Beiseiteschieben der Erde eigene Entdeckungen machen. 
In der Kathedrale

"archäologische Arbeit"

Es ist ein bisschen befremdlich, dass rund um die Felder bei Hippos Landminen-Warnschilder hängen. Dadurch wird bewusst, dass hier nicht nur ein Schauplatz antiker Geschichte sondern auch ein Schauplatz der Geschichte des modernen Staates Israel ist. Hippos liegt mitten im Kampfgebiet des Sechs-Tage-Krieges von 1967.


Nazareth – einmal ein kleines Dorf – ist heute eine arabisch-christlich geprägte Stadt. Im Zentrum befindet sich die Verkündigungsbasilika. Sie ist besonders, da ihr Altarbild erst nach dem II. Vatikanum gestaltet wurde. Es zeigt das wandernde Gottesvolk. Wir haben noch weitere Kirchen in Nazareth besucht, eine griech.-orthodoxe und eine, die Jesu Ansprache in der Synagoge von Nazareth memoriert wird.
von außen

von innen


Ganz in der Nähe ist der Berg Tabor. Die Kirchenväter lokalisierten hier die Verklärung von Jesus Christus (Mt 17,1-9 und Parallelstellen). Von oben hat man einen tollen Rundblick, v.a. wenn man wie wir zu Fuß hochgegangen ist. Die Kirche, die man heute besichtigen kann stammt von einem Architekten, der das ganze Land mit Kirchen überschwemmt hat. In Jerusalem kann man ihm kaum entgehen und auch hier in Galiläa begegnet man ihm – Antonio Barluzzi.

 
Seht ihr die Serpentinen, da bin ich zu Fuß hoch, ein paar Waghalsige sind geradeaus durch den Wald hoch.

Die Basilika von vorne.