Dienstag, 28. Januar 2014

Gottesdienst mal anders

Vor 2 Monaten hatten wir einen Gastvortrag von Pater David Neuhaus, Jesuit und Patriarchalvikar der hebräischsprachigen Katholiken in Israel. Diese Christen fallen hier im Alltag auf, im Gegensatz zu den arabischsprachigen Christen. Doch die hebräischen Gemeinden wachsen. Entstanden und nötig geworden sind sie durch katholische Einwanderer jüdischer Abstammung und v.a. deren Kinder, die durch die Schule bald nur noch Hebräisch sprachen. Dazu kommt eine wachsende Zahl von Philippinos, Äthiopiern u.a., die hierhergekommen sind um zu arbeiten. Sie und ihre Kinder gehören ebenfalls zur Zielgruppe.

Die Jerusalemer Gemeinde feiert in der Kapelle St. Simeon und St. Anna. Von außen ist es ein normales Haus. Innen ist ein großer Gottesdienstraum, eine kleine Bibliothek und weitere Zimmer. David Neuhaus u.a. haben das NT und die liturgischen Texte ins Neuhebräische übersetzt.

Gestern abend hab ich zum ersten Mal den Gottesdienst dort besucht. Ich hab nicht viel verstanden bzw. mitsprechen können, denn so schnell kann ich Hebräisch nicht lesen. Aber einzelne Wörter erkenne ich wieder. Und wir sind herzlich aufgenommen worden. Für die Wandlung haben sie keine Hostien verwendet sondern Matzen (ungesäuertes jüdisches Brot, das traditionell zu Pessach gegessen wird - schmeckt wie Kneckebrot).

Samstag, 25. Januar 2014

Der Friseurbesuch


"Mit einer neuen Frisur fühlt man sich doch gleich ganz anders." (Friseur in Loriots Ödipussi)

Seit ich denken kann, gehe ich in den gleichen Friseurladen und seit einigen Jahren alle 6-8 Monate zur gleichen Friseuse: Waschen, Schneiden mit leichten Stufen, so dass die Haare wieder schön fallen, evtl. kurz unter die Haube und ein wenig Schaum, 25 €, fertig.

Es wäre also völlig ausreichend, einfach nach meiner Rückkehr im April wieder zu Kathi zu gehen und dort die Haare schneiden zu lassen. Aber seit ein paar Wochen plagt mich die Neugier, ob sich ein Friseurbesuch in Jerusalem von dem in Apfeldorf (für alle Nichtortskundigen: Das ist ein Nachbardorf von Epfach) unterscheidet.

Heute habe ich mich spontan dem zweiköpfigen Expeditionsteam bestehend aus Rebekka und May-Britt angeschlossen und wir haben uns zu dem Friseur in der Christian Quarter Road aufgemacht. Auf dem Weg haben wir versucht unsere Frisurvorstellungen ins Englische zu übersetzen. Was um alles in der Welt heißt "Stufen schneiden"?

Und dann gibt es kein zurück mehr. Eine der Damen im Laden bittet uns auf der Couch gegenüber Platz zu nehmen. Eigentlich sieht es hier wie in Deutschland aus: an der Wand entlang Stühle vor großen Spiegeln, eine Vitrine mit Haarpflegeprodukten, neben uns wird einer Frau der Haaransatz mit Farbe eingepinselt.

Dann werden wir nacheinander zum Haarewaschen gebeten. Dabei fällt schon eine klare Aufgabenverteilung auf. Schneiden darf nur einer im Laden - der Chef höchstpersönlich. Waschen, Föhnen und Frisieren übernehmen die Frauen bzw. die beiden Jungs, die hier offensichtlich eine Ausbildung machen.

Mit nassen Haaren wird mir doch kurz mulmig, als er mit Schere und Kamm auf mich zukommt. "I have natural curls. Please cut the tips in layers" Ich harre der Dinge, die da kommen es gibt kein Zurück. Der große Mann legt sofort los und erklärt parallel seine Handgriffe auf Arabisch dem Azubi - mit dem üblichen Gestenreichtum. Ich schließe vorsichtshalber die Augen, während er die vorderen Haare schneidet. Nach 5-7 Minuten Haare wild über meinem Kopf hin und her kämmen und vielen gefallenen Kringeln ist er fertig. "Lovely, blow-dry? Some mousse?" - "Yes, some mousse". Ich lehne mich entspannt zurück und freue mich darauf.

Eine stark geschminkte Frau tritt hinter mich besieht sich meine Locken und schüttelt den Schaumfestiger. Mit gezielten Fingern lässt sie den Mount Hermon (der höchste Berg in Israel) auf ihrer Hand entstehen und ich frage mich, ob sie meine Haarlänge richtig eingeschätzt hat. Irgendwie verteilt sie die Masse in meinen Haaren und ich denke schon ans aufstehen, da greift sie erneut nach der Flasche. Insgesamt verpasst sie meinen Haaren drei solcher Ladungen Schaum. Diese Frisur hält sicher für die nächsten 10 Tage, 3-Wetter-Taft 24h ist gar nichts dagegen. Ich hab Beton-Locken auf dem Kopf.

Ich bin fertig, May-Britt auch, nur an Rebekkas Haaren wird noch fleißig geföhnt. Sie saß als erste auf dem Stuhl und wurde als letzte fertig. Der Azubi hat jede Haarlage einzeln über einer Rundbürste geföhnt - 30 Minuten lang. Wir zahlen (100 Shekel = etwas über 20 € pro Person) und treten den Heimweg an. Es ist bei uns allen keine ganz neue Frisur geworden, aber es war ein Erlebnis und wir hatten beim Abendessen einiges zu erzählen.

Frisch frisiert und geföhnt

Dienstag, 21. Januar 2014

Auf dem Haram al-Scharif



Seit nunmehr 10 Jahren ist es für Touristen nicht ganz leicht auf den Haram in Jerusalem zu kommen, ganz zu schweigen vom Betreten des Felsendoms. Davor zahlte man einfach die Eintrittsgebühr und konnte nach Herzenslust herumgehen und fotografieren. Mit der zweiten Intifada endete das. Jetzt kostet es zwar keinen Eintritt mehr, dafür muss man lange an den Sicherheitskontrollen anstehen und darf zu bestimmten Zeiten auf den Platz zwischen Felsendom und Al-Aqsa-Moschee.

Deshalb war es schon etwas ganz besonderes, dass wir am Montag nicht nur für eineinhalb Stunden auf den Haram gehen durften, sondern sogar in den Felsendom und die Al-Aqsa-Moschee hineingehen durften. Wie hier unter Muslimen üblich, trugen alle Frauen in unser Gruppe Röcke und Kopftücher.
Der Felsendom, mit seiner goldenen Kuppel schon längst das bekannteste Wahrzeichen Jerusalems, wurde Ende des 7. Jahrhundert auf dem Gelände erbaut, auf dem bis 70 n. Chr. der jüdische Tempel stand. Zur Zeit ist er wegen Renovierungsarbeiten Innen eingerüstet. Deshalb ist von dem Felsen, von dem sich das Pferd des Propheten Muhammad bei seiner Himmelreise abgestoßen hat, momentan nichts zu sehen.

Die Kuppel von innen

Man beachte die Lampe
Der Felsen von unten


Die Al-Aqsa-Moschee ist nur wenig jünger als der Felsendom, wurde aber einige Male durch Erdbeben beschädigt, wieder errichtet und erweitert. Von außen wirkt sie verglichen mit dem Felsendom unscheinbar, aber innen auf dezente Weise prächtig. Wie im Felsendom ist alles mit Tepppich ausgelegt und man darf beide Orte nur strumpfsockig betreten.



Der heilige Koran liegt hier bereit
Zum Abschluss possierten wir noch für ein Gruppenfoto vor dem Felsendom.