Samstag, 31. August 2013

Unterwegs im Wadi


4.30 Uhr: Jerusalem liegt noch im Dunkeln. Doch in einem Haus nahe der Altstadt wird ein Fenster nach dem anderen hell.

5.38 Uhr: Der Bus fährt vor und 25 mehr oder weniger ausgeschlafene Gestalten steigen ein. Das Ziel ist das Wadi Qelt zwischen Jerusalem und Jericho. (Ein Wadi ist ein ausgetrocknetes Flussbett, dass nur nach starken Regenfällen Wasser führt.)

6.13 Uhr: Morgenandacht im Sonnenaufgang

6.30 Uhr: Einstieg ins Wadi, d.h. runter gehts unter Meeresspiegelhöhe

5 Stunden lang geht es jetzt in Schlangenlinien durch das Flussbett. Von Stunde zu Stunde steigt die Temperatur. Es geht zwar fast nur gerade dahin, aber über große und kleine Steine, Äste und anderes Gerümpel, das das Wasser immer wieder mitschwemmt. An manchen Stellen ist Klettern oder Rutschen angesagt.


Auch wenn es meine Schwester jetzt nicht glaubt, ich bin da auch runter!!

Wir sind mitten in der Wüste und doch sieht man hier und da Wasserpfützen oder kurze Rinnsale,  grüne Pflanzen und deren Verzehrer.

11.55 Uhr: Ankunft im Georgskloster, ein griechisch-orthoxes Kloster in der Felswand. In der Höhle oberhalb soll übrigens Eliah von einem Raben gefüttert worden sein.


14.15 Uhr: Ankunft in Beit Josef, verschmitzt, müde und rot im Gesicht. Hoffentlich gibt es bald was zum Essen.

Abschließend möchte ich noch sagen und das geht vor allem an meine Schwester: Danke, Danke, Danke für das tolle Trinksystem. Es funktioniert super. Ich hab heut im Wadi 4,5 l getrunken. Man merkt damit gar nicht, wie viel Wasser man in kürzester Zeit trinkt. Jetzt ruht es sich gerade auf meinem Balkon neben den Wanderschuhen aus. Aber ich werd es in Zukunft auch für die Tagestouren in und um Jerusalem mitnehmen.


Freitag, 30. August 2013

Erste Wanderung

Gerade ist es noch dunkel, aber in einer Stunde beginnen wir unsere Wanderung durch das Wadi-Kelt. Mehr wenn ich zurückkomme.

Dienstag, 27. August 2013

Fußnote zur Bundeslade

Ich hab eigentlich mit ein paar entsetzten Kommentaren einiger Theologiestudenten gerechnet. Denn das Foto zeigt natürlich NICHT die echte Bundeslade des Volkes Israel, denn die ist erstens verloren gegangen und zweitens hat sie ziemlich sicher nicht so ausgesehen, wie in der Bibel (Ex 25) geschildert und hier vor uns. Das Original war so klein, dass es von einem einzigen Menschen getragen werden konnte. Sie war ein Kultgegenstand der frühen Jahwe-Verehrung, der mit auf Kriegsfelder genommen wurde als Zeichen dafür, dass Jahwe auf der Seite seines Volkes kämpft.

Was hat es aber nun mit der Bundeslade in einer evangelischen Kirche auf dem Ölberg auf sich?

Dahinter verbirgt sich eine z.T. lustige Geschichte: Ein Schweizer hat in seinem Heimatland in mühevoller Handarbeit die Lade nach den Schilderungen von Ex 25 aus Holz angefertigt und mit Gold überzogen. Dann hat er sich zu Fuß (!) mit einer Schubkarre und der Lade auf den Weg gemacht - von der Schweiz nach Israel. Als er hier ankam, fanden das orthodoxe Juden überhaupt nicht komisch oder angebracht und haben ihn das auch körperlich spüren lassen. Da stand der Mann jetzt mit seiner Bundeslade mitten im Heiligen Land und keiner wollte sie. Da erbarmte sich die luth.-ev. Kirche in Jerusalem oder wie der hiesige Pastor meinte: "Die nimmt ja alles mögliche."

Hier mal ein Beweisfoto, dass ich tatsächlich in Jerusalem bin. May-Britt und ich auf der Stadtmauertour. :-)

Montag, 26. August 2013

Tag Neun

Die Einführungswoche ist vorbei - jetzt hat der Ernst des Studienjahres begonnen. Letzte Woche den ganzen Tag in der Altstadt und rum um Jerusalem unterwegs, heute von 8.30 bis 17 Uhr fast ausschließlich im Hörsaal (abgesehen natürlich vom Mittagessen). Letzte Woche gespanntes Harren auf die Dinge, die da kommen, heute sind wir schon mittendrin. 

Eine Änderung hat der Vorlesungsplan schon erfahren: Prof. Max Küchler kann aus gesundheitlichen Gründen nicht kommen. (Für alle Nicht-Theologiestudenten: Er ist DER Grand-Monsieur der Archäologie Jerusalems. Sein Buch zu der Stadt umfasst über 1000 Seiten.) Aber sein Assistent ist gekommen und springt für den bereits emeritierten Prof. ein und hat es bereits geschafft uns einen kurzweiligen Nachmittag zu bescheren. :-)

Am Vormittag sind wir gleich mitten in christlich-islamische Debatten um Erlösung und Offenbarung eingestiegen. Sie wird von einem kath. Dogmatikprofessor, der sich auch im Islam gut auskennt (u.a. arabisch und türkisch spricht) und einem muslimischen Professor für Koranexegese gehalten. Meine Erkenntnis des Tages: Muslime sehen in der Wissenschaft den Koran beiweitem nicht als absolutes Wortgottes, wie gedacht. Hier muss man stärker differenzieren. Das sagt der Koran auch über sich selbst. Freies Zitat: "Wenn das Meer Tinte wäre, um das Wort Gottes aufzuschreiben, würde sie ausgehen, bevor alles aufgeschrieben wäre."

Bilanz:

- Ich finde mich in der Altstadt einigermaßen zurecht.
- Jüdische Männer beten sehr viel lauter als jüdische Frauen.
- Die Küche kocht sehr gerne irgendwas mit Champignons (in der Zeit 4 Mal)
- Die Bundeslade ist nicht bei der Tempelzerstörung verloren gegangen. Sie steht in der evangelischen Himmelfahrtskirche auf dem Ölberg. Hier der Beweis!





Dienstag, 20. August 2013

Mönche und andere auf dem Zion

Unser Haus und ebenso das Studienjahr ist eng mit dem Benediktinerkloster auf dem Zion verbunden. Wir sind nicht nur bei Gottesdiensten und Stundengebet willkommen. Sondern uns bekocht auch die gleiche Küche, gestern z.B. mit Spaghetti Bolognese. 

Die Kirche der Abtei wurde Anfang des 20. Jh. gebaut und ist der Entschlafung (Dormitio) der Maria geweiht.
Aber auf dem Zion ist noch sehr viel mehr unterwegs als nur wir Studenten und die ca. 10 Mönche. In direkter Nachbarschaft liegt die halbfertige Dauerklosterbaustelle armenischer Mönche, ein kleines Franziskanerkloster, der Abendmahlssaal (nicht das Original), das Grab von König David (auch nicht das Echte), eine jüdische Talmudschule und ein Basketballplatz. Damit kann einem hier vom ultraorthodoxen Juden über Muslime und alle Arten von christlichen und weniger christlichen Touristen (mehrere Tausend am Tag) alles begegnen. 
Wir sind zwar außerhalb der Stadtmauer aber trotzdem mittendrin im Geschehen.


Und noch jemand anders kann man hier in den Gärten und rund um das Kloster oft begegnen - Frieda, die absolut keine Berührungsängste gegenüber den neuen Studienjährlern hat.

Montag, 19. August 2013

Unser Zuhause - Das Beit Josef


Beit Josef ist hebräisch und bedeutet Haus Josef. Auf dem Schild steht der Name auch auf Hebräisch (oben) und arabisch.

Im Erdgeschoss ist der Vorlesungsraum und einige Büros, im Keller Küche und Speisesaal und im 2. und 3. Stock wohnen die Studenten. Mein Zimmer ist übrigens im 2. Stock, hinter dem 2. Balkon von links. Es ist Richtung Osten gewandt. Deshalb brauch ich in der Früh im Grunde kein Licht im Zimmer. Auch der Ausblick auf das arabische Dorf Silwan und einen Teil der Jerusalemer Neustadt gerade bei Nacht mit den vielen Lichtern ist beeindruckend. In der Ferne kann man die hohe graue Mauer, die das Westjordanland von Israel trennt erkennen. Sie lässt sich nicht aus dem Blickfeld schieben, genauso wie der Streit um Jerusalem und das ganze Land.

(M)Ein Platz an der Sonne


Samstag, 17. August 2013

Erste Nacht im neuen Zimmer

Jetzt sind wir angekommen und haben schon die erste Nacht in unseren Zimmern verbracht.



Der heutige Tag ist noch zur freien Verfügung. Vermutlich werden wir einfach mal auf eigene Faust in die Altstadt gehen. Noch sind nicht alle da. Ich freu mich schon darauf, heute Abend alle Kennenzulernen.