Donnerstag, 28. November 2013

Flurgespräche



Auf dem Weg zur Bibliothek habe ich gerade zwei Frauen, die im Kloster arbeiten getroffen. Sie sprechen so gut wie kein Englisch und haben sich über meine Begrüßung und das "Wie geht's?" auf Arabisch ehrlich gefreut. In diesem Moment ist mir nochmal deutlich geworden, dass es sich dafür schon lohnt, andere Sprachen zu lernen. Ich bin gerade voll motiviert. Aber erst sollte ich für die Ostkirchenprüfung morgen lernen ...

Mittwoch, 27. November 2013

Galiläa um die Zeitenwende



Bis jetzt hab ich euch v.a. von archäologischen Funden weit vor und weit nach Jesu Auftreten erzählt. Aber noch nicht von den großen Städten, die zur Zeit Jesu existiert haben. Dazu gehören Caesarea Philippi ganz im Norden und Caesarea Maritima am Mittelmeer. Beide wurden, wie der Name schon andeutet, zu Ehren des römischen Kaisers erbaut. Auftraggeber waren Herodes der Große bzw. einer seiner Söhne. Heute findet man an beiden Stellen Überreste von Tempeln, einem Theater und Palästen.
Das Pan-Heiligtum in Caesarea Philippi

Stand hier einmal der Herodespalast von Caesarea Maritima?


Eine weitere Stadt ist Skytopolis (heute Bet Schean). Hier hat man v.a. römisch-hellenistische Architektur ausgemacht – Badehäuser, Prachtstraßen, Theater und Latrine, die wir gleich einmal ausprobiert haben. 

öffentliche römische Latrine - hier wurden (im doppelten Sinne) Geschäfte gemacht
 Aber nicht alle Menschen zur Zeit lebten in Städten, sondern vielmehr in Dörfern. Und sie hatten bei weitem kein so luxuriöses Leben, dass sie mehrmals die Woche ins Bad gingen. Durch Steuerlast und Schulden wurden viele an den Rand der Existenz getrieben und haben einen anderen Ausweg gesucht, z. B. in dem sie sich den Zeloten anschlossen, die die Römer mit Gewalt aus dem Land vertreiben wollten. Diese terroristische Vereinigung (römische Sicht) suchte Schutz auf dem Berg Arbel in der Nähe des See Genezareth. (Der Weg da hoch würde meiner Schwester gefallen!) In den Höhlen kann man heute noch Behausungsspuren ausmachen. 
Blick vom Arbel
Es war eine schöne Fahrt, auf der für mich viel Neues dabei war. Aber auch und besonders die Abende und freien Tage haben die Fahrt zu etwas ganz besonderem gemacht: Das gemeinsame Kochen und Beten am See, das Brotvermehrungsfest mit den Arabisch sprachigen Christen aus Galiläa, der Sonntag am See und das Grillfest am letzten Abend.

Sonnenaufgang am See
 Ich freu mich schon auf meinen Nächsten Besuch!

Montag, 25. November 2013

Exkurs: Märchenparty in Beit Josef

Es war einmal ...

Einen Tag nach unserer Rückkehr gab Prinzessin Lilifee (Mama, du kennst sie persönlich) eine Party für Märchengestalten. Martina überlegte hin und her, in welche Gestalt sie schlüpfen könnte. Rapunzel, Wolf, ...?

*Wiki-Intro-Melodie* --> Ja, jetzt hab ich's.

Er ist klein, frech, reimt für sein Leben gern und ist Gustl Bayrhammer auf den Leim gegangen.
Hose und T-Shirt in passenden Farben waren schnell gefunden. Aber wie komm ich an die passende Frisur??

Färben, Tönen oder Sprühen ist mir zu gefährlich. Ich will nicht auf den restlichen Fotos des Studienjahres orange Haare haben. Ich erinnere mich da dunkel an ein Pippi Langstrumpf Kostüm. Also auf in die Altstadt, vielleicht gibt es irgendwo eine Perücke.

Nach 1 Stunde Suche kamen wir an einem Weihnachtsladen - du hast richtig gelesen - mitten in der Altstadt vorbei und da hing eine rote Glitzergirlande. Passt!

Die Party kann beginnen!!!

Pumuckl, Rotkäppchen und Sterntaler auf dem Weg nach unten
Ein schöner Abend, es wurde viel gesungen und getanzt.
Um 2 Uhr ging ich dann endlich hoch in mein Zimmer. Schließlich hab ich mich bereit erklärt am nächsten Tag in der Schola mitzusingen. Also "Perücke" ab, Zähne putzen und ab ins Bett. Aber was ist das,die blonden Haare sind vorne ganz ROT!!!??
Die Plastikgirlande hat abgefärbt. Also verbrachte ich die nächste Stunde mit Haare Waschen, das Rot verwandelte sich in Orange und blieb. Und es gibt keine Frisur, mit der man den Orangestich über der Stirn verbergen kann. Also Schola mit blond-orangen Haaren.

Inzwischen nach einem Bad im Toten Meer und vielen Haarwäschen sieht man nur noch einen schwachen Orangestich über dem rechten Ohr. Alles nochmal gut gegangen. :-) Den Abend werd ich sicher nicht vergessen.

Synagogen und Kirchen allüberall



Galiläa hat für das Judentum und das Christentum eine besondere Bedeutung. Für das Christentum, weil Jesus hier gelebt und gewirkt hat und für das Judentum, weil Galiläa nach den beiden jüdischen Kriegen (70 nC und 135 nC) der Rückzugsort für die aus Jerusalem vertriebenen Juden wurde. Hier entwickelte sich das rabbinische Judentum.



Deshalb findet man hier viele Synagogen- und Kirchenbauten. Und man könnte fast meinen, die Studienleitung hat sich zum Ziel gesetzt, uns jeden einzelnen davon zu zeigen. Interessant ist das beide Religionen in der byzantinischen Zeit einen ähnlichen Baustil verwendet haben. Viele Synagogen und Kirchen haben Apsiden und den Grundriss einer Basilika (ursprl. römischer Versammlungsraum).



Am Beginn unserer Tour stand Bet Alpha. Dort hat man eine Synagoge aus dem 6. Jh. mit einem sehr gut erhaltenen Mosaik gefunden. Die Synagoge wurde vermutlich gegen Ende des 6. Jh. durch ein Erdbeben zerstört. Dadurch wurde das Mosaik vor menschlichen Zerstörungen bewahrt und man kann die Bindung Isaaks, den Tierkreis und den Toraschrein heute noch gut erkennen.



Ein Löwe
Als nächstes kam Hammat Tiberias direkt am See Genezareth. Dort entspringen heiße Quellen, die dem Ort seinen Namen geben (hebr. ham = warm). Man kann hier die Reste verschiedener Synagogenbauten übereinander sehen. Wie in Bet Alpha findet sich ein Tierkreis auf dem Fußboden, der in das 4. Jh. datiert wird. Diese Synagoge wird im 5. Jh. zerstört und eine neue darüber gebaut. Dadurch wird das Fußbodenmosaik stark in Mitleidenschaft gezogen.





Detail aus dem Tierkreis. Erkennt ihr die abgebildeten Sternbilder?
Und noch eine dritte Synagoge mit Tierkreis schauen wir (unter meiner Führung J) an – die Synagoge von Sepphoris aus dem 5. Jh. Das Mosaik auf dem Fußboden stammt aus dem 5. Jh. und zeigt eine ähnliche Szenerie wie in Bet Alpha, aber noch detaillierter und kunstvoller. Es ist eine großartige Komposition, von Gottes Heilszusage an das Volk Israel, seiner Herrschaft über die Welt und der Verwirklichung in einem zukünftigen Tempel. Wer nach Israel kommt, sollte  Sepphoris unbedingt besuchen. Da es zur Zeit Jesu und danach ein wichtiges Zentrum war wurden auch Reste von römischen Straßen, einem Theater und Häusern reicher „Städterer“ mit weiteren Mosaikböden gefunden.



Ohne Mosaik dafür aber älter ist die Synagoge von Bar’am aus dem 2./3. Jh. Im 18. Jh. wurde der Ort von den jüdischen Bewohnern verlassen. Im 19. Jh. siedelten sich christliche Araber (Maroniten) an und bauten eine kleine Kirche. Sie wurden im Unabhängigkeitskrieg gewaltsam von hier vertrieben, ihre Häuser zerstört. Ähnlich erging es auch den Nachbardörfern. Bis heute versuchen die Maroniten wieder zurückkehren zu dürfen. Wir haben einen, der zu diesem Zweck in Bar’am campiert bei unserem Besuch zufällig getroffen und er hat uns durch die Ruinen der arabischen Siedlung und die Kirche geführt.




Die Synagoge von Chorazim stammt aus dem 2.-3. Jh. und zeigt, wie wohlhabend die damalige jüdische Gemeinde des Ortes war. Aber für Aufsehen haben hier v.a. kleine flinke Tiere, die zwischen den Ausgrabungsarealen umherhuschten, gesorgt. Unsere ersten Klippdachse auf der Galiläa-Exkursion! Wer sie noch nicht kennt, einfach mal googeln.


Die Datierung der Synagoge von Kafarnaum ist umstritten. Einige datieren sie in das 4.-5. Jh. andere bereits früher. Insgesamt ist sie gut erhalten. Kafarnaum ist einer der Orte, die am häufigsten im NT erwähnt werden und wird deshalb vermutlich von ALLEN Pilgergruppen besucht. Hier ist immer Trubel. Neben der Synagoge hat man die Reste einer oktogonalen Kirche aus dem 5. Jh. gefunden und darunter ein Wohnhaus aus dem 1. Jh. nC. Vielleicht handelt es sich dabei um das Haus des Petrus?! 1990 wurde zum Schutz der Ausgrabung darüber eine Kirche errichtet.



Jetzt zur Schwesterreligion und den Kirchenbauten rund um den See

In unmittelbarer Nähe zu der Brotvermehrungskirche in Tabgha, die ja auf den Überresten einer byzantinischen Kirche steht, befindet sich die Primatskapelle über einem Stein, an dem Joh 21 (Nachlesen!) verortet wird. Auch sie steht auf den Resten einer Kapelle. Daneben am Ufer finden sich herzförmige Sockel, deren Zweck ungeklärt ist. Eine weitere (moderne) Kirche steht auf dem Berg der Seligpreisungen. 



Die beiden Vögel haben die Zerstörer übersehen
Auf der Ostseite des Sees liegt Kursi. Dort wird die Dämonenaustreibung nach Mk 5,1-20 („die mit den ins Meer stürzenden Schweinen“) memoriert. Die gefundene Basilika stammt aus dem Übergang zwischen dem 5. und 6. Jh. Die ganze Kirche war mit Mosaikböden ausgekleidet. Einige sind heute noch sichtbar. Jedoch wurden die meisten Tierdarstellungen systematisch zerstört.



Am gleichen Tag brachte uns der Bus auf einen nur selten von Touristen besuchten Berg – zu der ehemaligen Stadt Hippos. Die Stadt wurde in hellenistischer Zeit (2. Jh. v. Chr.) gegründet und bestand bis zu dem großen Erdbeben von 749. In römischer Zeit gehörte sie zur Dekapolis (wie schon Skytopolis). Aus byzantinischer Zeit finden sich hier einige Kirchen mit Mosaikböden. Das Gelände ist noch nicht als offizieller Nationalpark eröffnet und auch nicht entsprechend beschildert. Die Mosaikböden wurden nach dem Fund wieder mit Erde bestreut. Und so konnten wir selbst in die Rolle eines Archäologen schlüpfen und durch vorsichtiges (!) Beiseiteschieben der Erde eigene Entdeckungen machen. 
In der Kathedrale

"archäologische Arbeit"

Es ist ein bisschen befremdlich, dass rund um die Felder bei Hippos Landminen-Warnschilder hängen. Dadurch wird bewusst, dass hier nicht nur ein Schauplatz antiker Geschichte sondern auch ein Schauplatz der Geschichte des modernen Staates Israel ist. Hippos liegt mitten im Kampfgebiet des Sechs-Tage-Krieges von 1967.


Nazareth – einmal ein kleines Dorf – ist heute eine arabisch-christlich geprägte Stadt. Im Zentrum befindet sich die Verkündigungsbasilika. Sie ist besonders, da ihr Altarbild erst nach dem II. Vatikanum gestaltet wurde. Es zeigt das wandernde Gottesvolk. Wir haben noch weitere Kirchen in Nazareth besucht, eine griech.-orthodoxe und eine, die Jesu Ansprache in der Synagoge von Nazareth memoriert wird.
von außen

von innen


Ganz in der Nähe ist der Berg Tabor. Die Kirchenväter lokalisierten hier die Verklärung von Jesus Christus (Mt 17,1-9 und Parallelstellen). Von oben hat man einen tollen Rundblick, v.a. wenn man wie wir zu Fuß hochgegangen ist. Die Kirche, die man heute besichtigen kann stammt von einem Architekten, der das ganze Land mit Kirchen überschwemmt hat. In Jerusalem kann man ihm kaum entgehen und auch hier in Galiläa begegnet man ihm – Antonio Barluzzi.

 
Seht ihr die Serpentinen, da bin ich zu Fuß hoch, ein paar Waghalsige sind geradeaus durch den Wald hoch.

Die Basilika von vorne.