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| Karte von Galiläa: Die im Folgenden erwähnten Orte in unkt und Kringel |
Nahal Me‘arot (blauer Punkt)
Die christlichen Pilger und Touristen, die nach Galiläa
kommen, erwarten v.a. Funde aus der Zeit Jesu und der Kirche der ersten
Jahrhunderte. Der oder die Archäologie-Interessierte kennt darüber hinaus noch
die Ausgrabungen, die mit alttestamentlichen Orten identifiziert werden. Aber
die wenigsten bemerken auf ihrer Reise, dass hier mitten in Galiläa beachtenswerte,
sehr viel ältere Funde gemacht wurden. In Nahal Me’arot am Karmelgebirge, heute
ein Nationalpark und Weltkulturerbe, hat man Besiedlungsspuren des homo erectus
und des Neandertalers gefunden. Die Höhle war vermutlich in dem Zeitraum von
500.000 bis 40.000 v. Chr. fast durchgehend besiedelt. Darauf weisen die
verschiedenen gefundenen Werkzeuge hin. Hier fand man auch das Skelett einer
Neandertalerin.
| So lebten die Steinzeitmenschen :-) |
Tel Dan
In Galiläa ist es durchschnittlich 5-10 °C wärmer als in
Jerusalem, deshalb reifen hier auch Bananen, Zitrusfrüchte und Datteln ohne Weiteres. Die Plantagen müssen jedoch bewässert werden. Wo das nicht geschieht,
ist die Erde braun. So wirkt die Gegend um die Jordanquelle auf Tel Dan mit den
ganzjährig sattgrünen Pflanzen geradezu paradiesisch. Der Jordan-Quellfluss
rauscht wie ein Gebirgsbach zwischen großen Bäumen hindurch. Landschaftlich ist
das meiner Meinung nach bisher der schönste Nationalpark. Er liegt weit im
Norden am Fuß des Hermongebirges.
Dan taucht im AT häufig in der Kombination „von Dan bis
Beerscheva“ auf. Die beiden Städte liegen ganz im Norden und Süden des
Siedlungsgebietes Israels und stehen damit für ganz Israel.
Auf diesem Tel, der schon früh als Stadt Dan gedeutet
wurde, fand man auf dem Berg ein Heiligtum und mehrere Stadttore aus
verschiedenen Jahrhunderten. Wobei dazu gesagt werden muss, dass Archäologen
von max. 2000-3000 Einwohnern ausgehen (was wir heute mitnichten als Stadt
bezeichnen würden, war damals im 9./8. Jh. v. Chr. im Bergland Palästinas schon
eine der größeren Städte).
| Der rekonstruierte Altar des Höhenheiligtums |
| Ein Lehmziegeltor, das man im Erdwall gefunden hat. |
Der Ort liegt heute im völkerrechtlich im Grenzgebiet von
Israel und Syrien. Er war vermutlich schon immer ein Grenzort (wegen der
Quellen), der mal zum einen Staatsgebiet und dann zum anderen gehörte. Unser
Reiseführer, der Archäologe Prof. Lehmann macht das an
erkennbaren nichtisraelitischen Einflüssen in der Architektur fest.
| Prof. Lehmann beim Vortrag |
Zusammen mit Prof. Lehmann besichtigten wir noch weitere
Orte.
Hazor
Hier fand man eine eisenzeitliche Toranlage, die der
Ausgrabungsleiter sofort König Salomo zuordnete, was gut zum biblischen Befund
passen würde. Andere Archäologen bewerten das inzwischen anders. Mit Hilfe der
Radiocarbon-Methode lässt sich das Tor ziemlich eindeutig in die Zeit nach
Salomo einordnen.
Außerdem fand man hier mehrere Tempel und Gebäude aus der
Mittelbronzezeit. Eines ist besonders gut erhalten, weil in einem Brand die
Lehmziegel der Wand zu hartem Stein wurden.
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| Blick von oben auf Hazor. Vorne kann man gut das 6-Kammertor mit 2 vorgelagerten Türmen erkennen. |
Betsaida
Danach ging‘s weiter Richtung Süden. Die Ausgrabungen, die mit dem neutestamentlichen Betsaida in Verbindung gebracht werden, liegen östlich des Jordans, also eigentlich völkerrechtlich auf syrischem Territorium. Die Ausgrabungen hier haben also ein gewisses „Gschmäckle“. Gefunden wurden aus dem 1. Jh. aber lediglich die Überreste zweier Bauernhäuser, obwohl es laut Flavius Josephus eine Stadt war. Daher ist es fraglich, ob es sich hier wirklich um DAS Betsaida handelt. Aus der Eisenzeit wurde hier (mal wieder) ein 4-Kammertor und Mauerreste gefunden. Interessant ist darüber eine gefundene Stele des Mondgottes Haran, zu der es syrische Parallelen gibt. Vielleicht war der Ort damals eine aramäische Festung, die dann von Jerobeam, König in Israel, zerstört wurde.
| Die Stele des Haran |
Megiddo
| Tel Megiddo |
Am nächsten Tag ging es mit Herrn Lehmann nach Megiddo.
Dort wurde am meisten ausgegraben. Eigentlich schon zu viel, denn es ist
eigentlich die Regel, dass Archäologen immer nur einen Teil einer Siedlung
ausgraben, damit spätere Generationen mit besseren technischen Mitteln ihre Ergebnisse
überprüfen können. Das war in Megiddo noch nicht so. Hier hatten amerikanische
Archäologen in den 1920er Jahren das Ziel den Tel von oben bis unten Schicht
für Schicht abzutragen. Ihnen kam die Wirtschaftskreise dazwischen. Das sowie
der Graben des deutschen Archäologen Schuhmacher führten zu der ganz besonderen
Form des Tels heute.
Hier wurden verschiedene Tempel aus der Bronzezeit gefunden,
alle übereinander. Außerdem viele Zweckgebäude und Speicher aus dem 8. Jh., die
auf einen Wandel der Besiedelung von einer unabhängigen Stadt zu einer
funktionalen Anlage eines Staates.
Insgesamt deuten all diese Fundorte daraufhin, dass David
und Salomo Könige einer Übergangszeit waren, die noch nicht die in der Bibel zugeschriebenen
monumentalen Gebäude und Städte errichtet haben. Die stammen ziemlich
wahrscheinlich erst von späteren Königen.
Tel Dor
Unsere letzte Station mit Prof. Lehmann war Tel Dor, eine
ehemalige Hafenstadt südlich von Haifa und heute beliebter Badestrand. Nach
einer Besichtigung der kargen Reste ging es ab ins Mittelmeer.
| Gruppenfoto am Strand von Dor |


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