Mittwoch, 20. November 2013

Galiläa weit vor Jesu Auftreten


Karte von Galiläa: Die im Folgenden erwähnten Orte in unkt und Kringel

Nahal Me‘arot (blauer Punkt)

Die christlichen Pilger und Touristen, die nach Galiläa kommen, erwarten v.a. Funde aus der Zeit Jesu und der Kirche der ersten Jahrhunderte. Der oder die Archäologie-Interessierte kennt darüber hinaus noch die Ausgrabungen, die mit alttestamentlichen Orten identifiziert werden. Aber die wenigsten bemerken auf ihrer Reise, dass hier mitten in Galiläa beachtenswerte, sehr viel ältere Funde gemacht wurden. In Nahal Me’arot am Karmelgebirge, heute ein Nationalpark und Weltkulturerbe, hat man Besiedlungsspuren des homo erectus und des Neandertalers gefunden. Die Höhle war vermutlich in dem Zeitraum von 500.000 bis 40.000 v. Chr. fast durchgehend besiedelt. Darauf weisen die verschiedenen gefundenen Werkzeuge hin. Hier fand man auch das Skelett einer Neandertalerin. 
So lebten die Steinzeitmenschen :-)



Tel Dan

In Galiläa ist es durchschnittlich 5-10 °C wärmer als in Jerusalem, deshalb reifen hier auch Bananen, Zitrusfrüchte und Datteln ohne Weiteres. Die Plantagen müssen jedoch bewässert werden. Wo das nicht geschieht, ist die Erde braun. So wirkt die Gegend um die Jordanquelle auf Tel Dan mit den ganzjährig sattgrünen Pflanzen geradezu paradiesisch. Der Jordan-Quellfluss rauscht wie ein Gebirgsbach zwischen großen Bäumen hindurch. Landschaftlich ist das meiner Meinung nach bisher der schönste Nationalpark. Er liegt weit im Norden am Fuß des Hermongebirges.


Mit Tel bezeichnet man übrigens eine charakteristische Hügelform, die auf mehrere übereinanderliegende Siedlungsschichten hinweist. Davon gibt es hier im Nahen Osten übrigens eine ganze Menge (auch noch nicht archäologisch ausgegrabener). Arbeit für angehende Archäologen wäre also genug da (wenn nicht die Bezahlung so schlecht wäre, gerade für biblische Archäologen).

Dan taucht im AT häufig in der Kombination „von Dan bis Beerscheva“ auf. Die beiden Städte liegen ganz im Norden und Süden des Siedlungsgebietes Israels und stehen damit für ganz Israel.

Auf diesem Tel, der schon früh als Stadt Dan gedeutet wurde, fand man auf dem Berg ein Heiligtum und mehrere Stadttore aus verschiedenen Jahrhunderten. Wobei dazu gesagt werden muss, dass Archäologen von max. 2000-3000 Einwohnern ausgehen (was wir heute mitnichten als Stadt bezeichnen würden, war damals im 9./8. Jh. v. Chr. im Bergland Palästinas schon eine der größeren Städte).

Der rekonstruierte Altar des Höhenheiligtums

Ein Lehmziegeltor, das man im Erdwall gefunden hat.
 Der Ort liegt heute im völkerrechtlich im Grenzgebiet von Israel und Syrien. Er war vermutlich schon immer ein Grenzort (wegen der Quellen), der mal zum einen Staatsgebiet und dann zum anderen gehörte. Unser Reiseführer, der Archäologe Prof. Lehmann macht das an erkennbaren nichtisraelitischen Einflüssen in der Architektur fest.

Prof. Lehmann beim Vortrag
Zusammen mit Prof. Lehmann besichtigten wir noch weitere Orte.




Hazor

Hier fand man eine eisenzeitliche Toranlage, die der Ausgrabungsleiter sofort König Salomo zuordnete, was gut zum biblischen Befund passen würde. Andere Archäologen bewerten das inzwischen anders. Mit Hilfe der Radiocarbon-Methode lässt sich das Tor ziemlich eindeutig in die Zeit nach Salomo einordnen.
Außerdem fand man hier mehrere Tempel und Gebäude aus der Mittelbronzezeit. Eines ist besonders gut erhalten, weil in einem Brand die Lehmziegel der Wand zu hartem Stein wurden.
 

Blick von oben auf Hazor. Vorne kann man gut das 6-Kammertor mit 2 vorgelagerten Türmen erkennen.



Betsaida

Danach ging‘s weiter Richtung Süden. Die Ausgrabungen, die mit dem neutestamentlichen Betsaida in Verbindung gebracht werden, liegen östlich des Jordans, also eigentlich völkerrechtlich auf syrischem Territorium. Die Ausgrabungen hier haben also ein gewisses „Gschmäckle“. Gefunden wurden aus dem 1. Jh. aber lediglich die Überreste zweier Bauernhäuser, obwohl es laut Flavius Josephus eine Stadt war. Daher ist es fraglich, ob es sich hier wirklich um DAS Betsaida handelt. Aus der Eisenzeit wurde hier (mal wieder) ein 4-Kammertor und Mauerreste gefunden. Interessant ist darüber eine gefundene Stele des Mondgottes Haran, zu der es syrische Parallelen gibt. Vielleicht war der Ort damals eine aramäische Festung, die dann von Jerobeam, König in Israel, zerstört wurde.

Die Stele des Haran



Megiddo

Tel Megiddo
Am nächsten Tag ging es mit Herrn Lehmann nach Megiddo. Dort wurde am meisten ausgegraben. Eigentlich schon zu viel, denn es ist eigentlich die Regel, dass Archäologen immer nur einen Teil einer Siedlung ausgraben, damit spätere Generationen mit besseren technischen Mitteln ihre Ergebnisse überprüfen können. Das war in Megiddo noch nicht so. Hier hatten amerikanische Archäologen in den 1920er Jahren das Ziel den Tel von oben bis unten Schicht für Schicht abzutragen. Ihnen kam die Wirtschaftskreise dazwischen. Das sowie der Graben des deutschen Archäologen Schuhmacher führten zu der ganz besonderen Form des Tels heute.
Hier wurden verschiedene Tempel aus der Bronzezeit gefunden, alle übereinander. Außerdem viele Zweckgebäude und Speicher aus dem 8. Jh., die auf einen Wandel der Besiedelung von einer unabhängigen Stadt zu einer funktionalen Anlage eines Staates.

Insgesamt deuten all diese Fundorte daraufhin, dass David und Salomo Könige einer Übergangszeit waren, die noch nicht die in der Bibel zugeschriebenen monumentalen Gebäude und Städte errichtet haben. Die stammen ziemlich wahrscheinlich erst von späteren Königen.




Tel Dor

Unsere letzte Station mit Prof. Lehmann war Tel Dor, eine ehemalige Hafenstadt südlich von Haifa und heute beliebter Badestrand. Nach einer Besichtigung der kargen Reste ging es ab ins Mittelmeer.

Gruppenfoto am Strand von Dor
 

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