Sonntag, 23. Februar 2014

Shabbat Shalom



“Wir begrüßen uns mit Shalom. Das heißt Friede (im umfassenden Sinne). Wir sind also im Grunde die ersten Hippies.“ Das sagte Rabbi Aaron Leibowitz zu Beginn des Shabbat Abends am vergangenen Samstag. Wir waren also zu Gast bei den ersten Hippies der Weltgeschichte.

Rabbi Leibowitz hat im Dezember bei uns eine Einführung in den Talmud gehalten und uns jetzt zu einer befreundeten Familie mit einem großen Haus eingeladen. Vorher hat er mit uns einen Spaziergang durch sein Wohnviertel Nachla’ot. Dort leben Tür an Tür Juden verschiedener Tradition und Gläubigkeit. Wir konnten durch die Fenster in verschiedene Synagogen schauen. Im ganzen Viertel herrschte Feiertagsstimmung: Kinder und Eltern in ihren besten Kleidern, Singen, Tanzen.

Danach wurden wir im Haus von Chaya und ihrem Mann empfangen. Sie feiern regelmäßig mit größeren Gruppen den Shabbat Abend, denn Gäste sind dazu herzlich willkommen. Auch die Kinder der beiden Familien waren dabei. Zu Beginn wurde der Segen über den Wein gesprochen und dann über das Shabbat-Brot gesprochen. Sie zeigten uns das rituelle Händewaschen, den Segen über die Kinder, wir tanzten und sangen. Dann gab es Suppe, Hähnchen, Reis und Gemüse, als Nachspeise Birne in Rotwein. Wir haben uns über unsere Eindrücke unterhalten und konnten Fragen stellen. Die Kinder wurden langsam müde. Dann sprachen die Erwachsenen das Abschlussgebet und wir brachen auf. 

Der Abend war interessant, aber mit der Zeit hatte ich mehr und mehr das Gefühl in einer Kulisse zu sitzen. Shabbat wurde uns als Familienfest verkauft. Aber die Kinder wurden müde und sie zogen trotzdem das Programm weiter durch. Mein Highlight war der Spaziergang am Anfang.

Mittwoch, 19. Februar 2014

Wir haben Geburtstag

Den Bericht über die Jubiläumsfeierlichkeiten zu 40 Jahre Studienjahr findet ihr hier.

Freitag, 14. Februar 2014

Im Haus meines Vaters sind viele Wohnungen

Der Titel eines Films
Der Drehort: die Grabeskirche
Die Hauptdarsteller: Mönche verschiedener christlicher Kirchen, die dort beten, arbeiten und schlafen.

Heute Abend haben wir den Film gemeinsam angeschaut.
Zu Wort kommen 6 Mönche und die beiden Oberhäupter der muslimischen Familien, die für das Öffnen und Schließen des Eingangsportals verantwortlich sind. Ich hab ihn zum ersten Mal gesehen. Es ist spannend, wenn man schon selbst dort Gottesdienst gefeiert hat und jetzt auf einmal mit der Kamera hinter das Grab blickt und den koptischen Priester bei der lauten Orgel den Kopf schütteln sieht. Mir ist bewusst geworden, wie vertraut mir die Kirche schon ist. Bei vielen Kameraeinstellungen weiß ich sofort, was gezeigt wird. Ich kenne die Wege durch die Kirche. Selbst einige Mönche, die ins Bild kommen, habe ich schon gesehen. Ich kenne die unterschiedlichen Gewänder der orthodoxen und orientalischen Mönche. Es ist mir in gewisser Weise vertraut und doch immer noch fremd. Wir haben laut gelacht, haben über manche Aussagen den Kopf geschüttelt aber  spätestens bei dem Handgemenge während der Palmsonntagsprozession fassungslos hingesehen. Wir haben davon gehört, dass sie sich dort um Putzpläne streiten, dass die Mönche manchmal handgreiflich werden. Aber es zu sehen ist nochmal anders.

Trotzdem habe ich einen weiteren Punkt auf meine "Was will ich hier noch machen"-Liste gesetzt: Mich eine Nacht in der Grabeskirche einsperren lassen  
und die Liturgien der verschiedenen Kirchen aber auch die Ruhe ohne Pilgerströme zu erleben.


Mittwoch, 12. Februar 2014

Referatsvorbereitung

Gerade komm ich wieder kaum zum Schreiben, obwohl viel passiert ist. Jubiläumsfeier 40 Jahre Studienjahr, Exkursionen zum Herodeion und nach Samaria, ...
Aber es steht auch mein zweites Referat vor der Tür und so heißt es, Bücher wälzen, Präsentation und Vortrag erstellen, Diskussionsfragen sammeln. Aber einen Trost hab ich. Ich sitze dabei auf unserer Dachterrasse im strahlenden Sonnenschein.
Eigentlich braucht die Region dringend Regen. Im Januar gab es so gut wie keine Niederschläge und es ist eigentlich einer der regenreicheren Monate.  Hoffen wir, dass es noch kommt - für Menschen, Tiere und Pflanzen.
Trotzdem bin ich - mal egoistisch - grad im Moment froh um die warmen Strahlen auf meinem Gesicht.

Dienstag, 4. Februar 2014

Hebron



In der Bibel ist Hebron der Ort, bei dem in der Nähe Abraham für sich und seine Frau die Höhle Machpelah als Grabstätte kauft (Gen 23). Neben ihnen wurden dort der Tradition nach auch Isaak und Rebekka sowie Jakob und Lea beerdigt.

Herodes der Große ließ die Grabstätten mit einer hohen Mauer umgeben. Noch heute kann man die typischen herodianischen Steine (für die Insider: Spiegelquader) gut erkennen.
Die Machpelahöhle von außen


Da Abraham in allen drei monotheistischen Religionen als Stammvater gilt, interessierten sich im Laufe der Jahrhunderte nicht nur Juden für Hebron. In der Kreuzfahrerzeit wurde aus der Grabstätte eine Kirche, unter muslimischer Herrschaft wurde der herodianische Bau mit 2 Minaretten versehen und innen mit Koranzitaten verziert.
Der Kenotaph Abrahams

Der Raum neben dem Abrahamsgrab im jüdischen Teil



Aufgrund der Bedeutung Abrahams ist Hebron einer der Orte, die seit dem Beginn der jüdischen Siedlungen Anfang des 20. Jahrhunderts stark umkämpft sind. Es ist die einzige Stadt im Westjordanland, in deren Stadtkern jüdische Siedler sitzen, die von mehr Soldaten als Siedlern geschützt werden. Ganze Straßen wurden für Palästinenser gesperrt, so dass sie ihre Häuser nur noch über Dächer und Hinterausgänge verlassen können oder umziehen mussten. Dadurch ist der eigentliche Stadtkern nahe de Machpelahöhle zu Geisterstadt geworden. Wir haben dort lediglich ein paar UNO-Beobachter gesehen, sowie Soldaten in "Arbeitskleidung" und in Joggingoutfit - beide mit Gewehr über der Schulter.


Geisterstraßen

Die Barriere zwischen der israelischen und der palästinensischen Zone in Hebron.


Hebron ist zweigeteilt. Ein kleiner Teil wird von den Israelis kontrolliert, v.a. um die dort lebenden Siedler zu schützen. Der weit größere Teil gehört zum palästinensischen Autonomiegebiet. Auch die Machpelahöhle mit den Kenotaphen wurde geteilt. In der jüdischen Hälfte liegen die Gräber von Abraham, Sara, Jakob und Lea. Im Innenhof dazwischen wurde eine Synagoge errichtet. In der Moschee direkt hinter der Wand liegen ironischer Weise die Kenotaphe von Isaak und Rebekka. Schließlich berufen sich die Muslime auf Abrahams zweiten Sohn Ismael. Beide Seiten können nur von Touristen wie uns besucht werden.

Die Gräber von Isaak und Rebekka in der Moschee

Mitglieder eines Geheimbundes? - Nein, die Umhänge mussten wir Frauen drüberziehen als Kopftuch- und Rockersatz.

Ich war sehr gespannt auf Hebron nach den Geschichten, die ich über die Stadt von "Breaking the silence" u.a. gehört habe. Es war seltsam auf einmal dort durch die Straßen zu gehen und mich daran zu erinnern. Es wirkt alles so ruhig. Nur wenn man in den ersten Stock sieht, kann man zerbrochene Fensterscheiben und verlassene Zimmer erkennen. Es ist kalt und sehr windig. Trotzdem joggen 2 Soldaten in kurzen Hosen, T-Shirt und Gewehr vorbei. Ein Soldat in Uniform posiert für ein Foto. 


Wir gehen zurück zum Bus und fahren nach Jerusalem. Dort ist der Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern nicht so unmittelbar sichtbar, Referate, Hausarbeiten, das nächste Telefonat rücken wieder in den Blickpunkt. Aber in Hebron wird vermutlich gerade im Moment eine palästinensische Familie schmerzhaft an die Besatzung erinnert, während Israelische Soldaten ihre Wohnung ohne Grund durchsuchen. Kommando: Make your presence felt!