Dienstag, 4. Februar 2014

Hebron



In der Bibel ist Hebron der Ort, bei dem in der Nähe Abraham für sich und seine Frau die Höhle Machpelah als Grabstätte kauft (Gen 23). Neben ihnen wurden dort der Tradition nach auch Isaak und Rebekka sowie Jakob und Lea beerdigt.

Herodes der Große ließ die Grabstätten mit einer hohen Mauer umgeben. Noch heute kann man die typischen herodianischen Steine (für die Insider: Spiegelquader) gut erkennen.
Die Machpelahöhle von außen


Da Abraham in allen drei monotheistischen Religionen als Stammvater gilt, interessierten sich im Laufe der Jahrhunderte nicht nur Juden für Hebron. In der Kreuzfahrerzeit wurde aus der Grabstätte eine Kirche, unter muslimischer Herrschaft wurde der herodianische Bau mit 2 Minaretten versehen und innen mit Koranzitaten verziert.
Der Kenotaph Abrahams

Der Raum neben dem Abrahamsgrab im jüdischen Teil



Aufgrund der Bedeutung Abrahams ist Hebron einer der Orte, die seit dem Beginn der jüdischen Siedlungen Anfang des 20. Jahrhunderts stark umkämpft sind. Es ist die einzige Stadt im Westjordanland, in deren Stadtkern jüdische Siedler sitzen, die von mehr Soldaten als Siedlern geschützt werden. Ganze Straßen wurden für Palästinenser gesperrt, so dass sie ihre Häuser nur noch über Dächer und Hinterausgänge verlassen können oder umziehen mussten. Dadurch ist der eigentliche Stadtkern nahe de Machpelahöhle zu Geisterstadt geworden. Wir haben dort lediglich ein paar UNO-Beobachter gesehen, sowie Soldaten in "Arbeitskleidung" und in Joggingoutfit - beide mit Gewehr über der Schulter.


Geisterstraßen

Die Barriere zwischen der israelischen und der palästinensischen Zone in Hebron.


Hebron ist zweigeteilt. Ein kleiner Teil wird von den Israelis kontrolliert, v.a. um die dort lebenden Siedler zu schützen. Der weit größere Teil gehört zum palästinensischen Autonomiegebiet. Auch die Machpelahöhle mit den Kenotaphen wurde geteilt. In der jüdischen Hälfte liegen die Gräber von Abraham, Sara, Jakob und Lea. Im Innenhof dazwischen wurde eine Synagoge errichtet. In der Moschee direkt hinter der Wand liegen ironischer Weise die Kenotaphe von Isaak und Rebekka. Schließlich berufen sich die Muslime auf Abrahams zweiten Sohn Ismael. Beide Seiten können nur von Touristen wie uns besucht werden.

Die Gräber von Isaak und Rebekka in der Moschee

Mitglieder eines Geheimbundes? - Nein, die Umhänge mussten wir Frauen drüberziehen als Kopftuch- und Rockersatz.

Ich war sehr gespannt auf Hebron nach den Geschichten, die ich über die Stadt von "Breaking the silence" u.a. gehört habe. Es war seltsam auf einmal dort durch die Straßen zu gehen und mich daran zu erinnern. Es wirkt alles so ruhig. Nur wenn man in den ersten Stock sieht, kann man zerbrochene Fensterscheiben und verlassene Zimmer erkennen. Es ist kalt und sehr windig. Trotzdem joggen 2 Soldaten in kurzen Hosen, T-Shirt und Gewehr vorbei. Ein Soldat in Uniform posiert für ein Foto. 


Wir gehen zurück zum Bus und fahren nach Jerusalem. Dort ist der Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern nicht so unmittelbar sichtbar, Referate, Hausarbeiten, das nächste Telefonat rücken wieder in den Blickpunkt. Aber in Hebron wird vermutlich gerade im Moment eine palästinensische Familie schmerzhaft an die Besatzung erinnert, während Israelische Soldaten ihre Wohnung ohne Grund durchsuchen. Kommando: Make your presence felt!
 








Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen