In der Bibel ist Hebron der
Ort, bei dem in der Nähe Abraham für sich und seine Frau die Höhle Machpelah
als Grabstätte kauft (Gen 23). Neben ihnen wurden dort der Tradition nach auch
Isaak und Rebekka sowie Jakob und Lea beerdigt.
Herodes der Große ließ die Grabstätten
mit einer hohen Mauer umgeben. Noch heute kann man die typischen herodianischen
Steine (für die Insider: Spiegelquader) gut erkennen.
| Die Machpelahöhle von außen |
Da Abraham in allen drei
monotheistischen Religionen als Stammvater gilt, interessierten sich im Laufe
der Jahrhunderte nicht nur Juden für Hebron. In der Kreuzfahrerzeit wurde aus
der Grabstätte eine Kirche, unter muslimischer Herrschaft wurde der
herodianische Bau mit 2 Minaretten versehen und innen mit Koranzitaten
verziert.
| Der Kenotaph Abrahams |
| Der Raum neben dem Abrahamsgrab im jüdischen Teil |
Aufgrund der Bedeutung
Abrahams ist Hebron einer der Orte, die seit dem Beginn der jüdischen
Siedlungen Anfang des 20. Jahrhunderts stark umkämpft sind. Es ist die einzige
Stadt im Westjordanland, in deren Stadtkern jüdische Siedler sitzen, die von
mehr Soldaten als Siedlern geschützt werden. Ganze Straßen wurden für
Palästinenser gesperrt, so dass sie ihre Häuser nur noch über Dächer und
Hinterausgänge verlassen können oder umziehen mussten. Dadurch ist der eigentliche
Stadtkern nahe de Machpelahöhle zu Geisterstadt geworden. Wir haben dort lediglich
ein paar UNO-Beobachter gesehen, sowie Soldaten in "Arbeitskleidung" und
in Joggingoutfit - beide mit Gewehr über der Schulter.
| Geisterstraßen |
| Die Barriere zwischen der israelischen und der palästinensischen Zone in Hebron. |
Hebron ist zweigeteilt. Ein kleiner Teil wird von den Israelis
kontrolliert, v.a. um die dort lebenden Siedler zu schützen. Der weit größere
Teil gehört zum palästinensischen Autonomiegebiet. Auch die Machpelahöhle mit
den Kenotaphen wurde geteilt. In der jüdischen Hälfte liegen die Gräber von
Abraham, Sara, Jakob und Lea. Im Innenhof dazwischen wurde eine Synagoge
errichtet. In der Moschee direkt hinter der Wand liegen ironischer Weise die
Kenotaphe von Isaak und Rebekka. Schließlich berufen sich die Muslime auf
Abrahams zweiten Sohn Ismael. Beide Seiten können nur von Touristen wie uns
besucht werden.
| Mitglieder eines Geheimbundes? - Nein, die Umhänge mussten wir Frauen drüberziehen als Kopftuch- und Rockersatz. |
Ich war sehr gespannt auf
Hebron nach den Geschichten, die ich über die Stadt von "Breaking the silence"
u.a. gehört habe. Es war seltsam auf einmal dort durch die Straßen zu gehen und
mich daran zu erinnern. Es wirkt alles so ruhig. Nur wenn man in den ersten
Stock sieht, kann man zerbrochene Fensterscheiben und verlassene Zimmer erkennen.
Es ist kalt und sehr windig. Trotzdem joggen 2 Soldaten in kurzen Hosen,
T-Shirt und Gewehr vorbei. Ein Soldat in Uniform posiert für ein Foto.
Wir gehen zurück zum Bus und
fahren nach Jerusalem. Dort ist der Konflikt zwischen Israelis und
Palästinensern nicht so unmittelbar sichtbar, Referate, Hausarbeiten, das
nächste Telefonat rücken wieder in den Blickpunkt. Aber in Hebron wird
vermutlich gerade im Moment eine palästinensische Familie schmerzhaft an die Besatzung
erinnert, während Israelische Soldaten ihre Wohnung ohne Grund durchsuchen. Kommando: Make
your presence felt!
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