Montag, 12. Mai 2014

Toda raba (Vielen vielen Dank)



Jetzt bin ich schon wieder zwei Wochen in Deutschland. Seltsam wie schnell man in der alten neuen Welt wieder funktioniert. Ich fahre Auto, gehe mit Mama in den Stall, organisiere, sitze in der Vorlesung. Einmal hatte ich kurz das Gefühl, ich war nie weg - Jerusalem nur ein langer Traum. 

Das soll nicht heißen, dass ich nicht auch gerne wieder bei euch bin. Ich freue mich riesig, Euch - meine Familie und Freunde wieder in meiner Nähe zu haben. Gebt mir einfach noch Zeit.

Jerusalem war eine Verschnaufpause für mich, eine Auszeit von den Sorgen und dem Stress, der sich in meinem Leben hier angesammelt hatte. 

Ich bin unglaublich dankbar, dass ich diese Chance, 8 Monate woanders zu sein, bekommen habe. Ich danke allen, die mir Mut gemacht haben, als ich kurz davor war aufzugeben - besonders Dir Gudrun. Ohne Dich wäre ich vor einem Jahr nicht nach Bonn gefahren. 

Danke Mama, Papa und Vroni, dass ihr meine Entscheidung mitgetragen habt und mich begleitet habt in der Zeit, danke für jedes Skypegespräch und das Paket. Danke an alle, die mir mit so mancher E-Mail oder Nachricht das Gefühl gegeben haben, dass ich nicht vergessen bin, sondern dass sich hier jemand auf meine Rückkehr freut. Und schließlich danke Dir, die/der Du kontinuierlich oder sporadisch über den Blog meine Erfahrungen in Jerusalem und im Heiligen Land verfolgt hast. 
  
Deine
Martina

Am Ende schließt sich der Kreis



Nach Ostern war ich vorerst für ein letztes Mal in Galiläa. Die letzten zwei Tage verbrachte ich aber in Jerusalem. Ich war in der Altstadt unterwegs, kaufte ein paar letzte Souvenirs und war beim Stundengebet dabei. Am Sonntag war es dann soweit: ein letztes Mal in den Gottesdienst in der Dormitio-Basilika, ein letztes Mal singen, bevor um kurz nach 12 Uhr das Scherut kommt und mich zum Flughafen bringt. Als das Scherut Jerusalem verließ hatte ich Tränen in den Augen. Es war ein seltsames Gefühl, wie etwas, das so selbstverständlich geworden war, auf einmal vorbei sein konnte. Dann der Blick aus dem Flugzeugfenster auf die Küste Israels, an der entlang wir nach Norden flogen. Ich erkannte neben Tel Aviv auch Haifa und Akko und konnte bis zum Hermon sehen. Damit war das Studienjahr und diese Zeit hier im Land endgültig vorbei. Wann komm ich wohl wieder hierher? Wie wird es mir zu Hause gehen? 

Als die Stewardess kam, bestellte ich ein Glas (und bekam einen Plastikbecher) Sekt, wie auf dem Hinflug. Auf die letzten acht Monate und die Menschen, die sie für mich unvergesslich gemacht haben!


Von Menschenmassen und Besinnlichkeit - Ostern in Jerusalem



Im April 2014 kam es in Jerusalem besonders dicke. Es trafen dieses Jahr nicht nur der ostkirchliche und der westkirchliche Ostertermin auf ein Datum, sondern in die gleiche Woche fiel Pessach, das höchste Wallfahrtsfest im Judentum. In dieser Woche gedenken die Juden dem Auszug aus Ägypten. Viele verbringen die Feiertage bei ihrer Familie und noch mehr kommen nach Jerusalem, denn einmal täglich wird an der Klagemauer der Kohanim-Segen (priesterliche Segen) gespendet. Der Höhepunkt wurde an Karfreitag und Karsamstag (gleichzeitig Schabbat) erreicht. An diesen Tagen konnte man nicht mehr beliebige Wege durch die Altstadt gehen, sondern die Polizei regelte die Massen durch einen großen Kreisverkehr und weiträumige Absperrungen.

Hier möchte ich nur von ein paar besonderen Momenten in der Zeit erzählen: Am Gründonnerstag war ich bei den Äthiopiern auf dem Dach der Grabeskirche. Es war ein beeindruckendes Bild. Fast den ganzen Tag waren dort oben weißgekleidete Menschen, die sich lange auf diese Zeit in Jerusalem vorbereit hatten. Ich habe mich eine Zeit lang mit einer äthiopischen Christin aus London unterhalten. Nur eins werde ich nicht – ein Fan von dem dort verwendeten Weihrauch.




Am Karfreitag haben wir in der Liturgie in der Dormitio die Passion des Johannes nach Heinrich Schütz aufgeführt. Wir hatten nicht viel Zeit zu üben, aber das Ergebnis konnte sich hören lassen. 



Und dann der Ostersonntag. Um 3 Uhr begann die Osternacht auf dem Zion. Im Laufe der Feierlichkeiten sollten mehrere Dinge/Menschen umkippen. Alles begann mit dem Osterfeuer vor der Kirche, dann erwischte es einen Ministranten und wenig später wurde einer Schola-Sängerin schwarz vor Augen. Im Kirchenschiff versetzte derweil ein verirrter Falter mehrere Reihen in Aufregung. Trotzdem war es ein schöner Gottesdienst und spätestens durch das Osterfrühstück wurden alle wieder fit. 



Vor dem Hochamt ging ich mit ein paar anderen in die Grabeskirche. Zum ersten Mal seit Tagen kamen wir ohne Anstehen und Platzangst hinein. Am Grab feierten gerade die Armenier. Es war für mich ein besonderer Moment in der Kirche, die ich zu vielen Tages- und Nachtzeiten jetzt erlebt hatte. Ich habe an diesem Vormittag eine Ahnung davon bekommen, was dieser Ort auch für mich bedeuten kann. Trotz der vielen Schichten Geschichte, die hier zwischen mir und diesem Jesus von Nazareth liegen. 


May-Britt und ich vor der Grabeskirche

Abgerundet wurde der Ostertag durch das Festessen im Beit Josef, bei dem sich unsere Köche selbst übertrafen.

Fast vorbei



Meine letzten Wochen in Jerusalem waren so voll, dass ich erst jetzt dazu komme, Euch zu schreiben. Der Reflexionstag in Bet Gamal, unser Abschlussfest auf dem Zion, Ostern, Besuch, Abschied nehmen von einem Land, von einer Stadt, von dem Ort und den Menschen, die mir in 8 Monaten zur Heimat geworden sind.

Unser Abschlussfest

So wie das Studienjahr begann, endete es auch mit einem ökumenischen Gottesdienst. Dabei waren die Menschen, die uns in den vergangenen Monaten begleitet haben: die „Bewohner“ des Zions, Mentoren, Dozenten, Freundinnen und Freunde von uns. Wie Weihrauch ließen wir unseren Dank und unsere Bitte nach oben steigen/schweben in Wort und Gesang.
Abends gab es ein europäisch-orientalisches Buffet, für uns und unsere Gäste. Auf verschiedene Weise ließen wir die acht Monate revuepassieren: Bilder, Anekdoten, … Jörg stellte einen tollen Film über unsere „Pilgerreise ins Heilige Land“ zusammen.

Die Studienleitung machte sich in ihrer Einlage darüber Gedanken, wie man einen Besuch des Papstes beim Studienjahr am besten plant. Nach dem offiziellen Programm ging’s im Kamelzimmer weiter mit Musik, Tanz und Getränken.