Im April 2014 kam es in Jerusalem besonders dicke. Es
trafen dieses Jahr nicht nur der ostkirchliche und der westkirchliche
Ostertermin auf ein Datum, sondern in die gleiche Woche fiel Pessach, das
höchste Wallfahrtsfest im Judentum. In dieser Woche gedenken die Juden dem Auszug
aus Ägypten. Viele verbringen die Feiertage bei ihrer Familie und noch mehr
kommen nach Jerusalem, denn einmal täglich wird an der Klagemauer der Kohanim-Segen
(priesterliche Segen) gespendet. Der Höhepunkt wurde an Karfreitag und
Karsamstag (gleichzeitig Schabbat) erreicht. An diesen Tagen konnte man nicht
mehr beliebige Wege durch die Altstadt gehen, sondern die Polizei regelte die
Massen durch einen großen Kreisverkehr und weiträumige Absperrungen.
Hier möchte ich nur von ein paar besonderen Momenten in
der Zeit erzählen: Am Gründonnerstag war ich bei den Äthiopiern auf dem Dach
der Grabeskirche. Es war ein beeindruckendes Bild. Fast den ganzen Tag waren
dort oben weißgekleidete Menschen, die sich lange auf diese Zeit in Jerusalem
vorbereit hatten. Ich habe mich eine Zeit lang mit einer äthiopischen Christin
aus London unterhalten. Nur eins werde ich nicht – ein Fan von dem dort
verwendeten Weihrauch.
Am Karfreitag haben wir in der Liturgie in der Dormitio die
Passion des Johannes nach Heinrich Schütz aufgeführt. Wir hatten nicht viel
Zeit zu üben, aber das Ergebnis konnte sich hören lassen.
Vor dem Hochamt ging ich mit ein paar anderen in die Grabeskirche. Zum ersten Mal seit Tagen kamen wir ohne Anstehen und Platzangst hinein. Am Grab feierten gerade die Armenier. Es war für mich ein besonderer Moment in der Kirche, die ich zu vielen Tages- und Nachtzeiten jetzt erlebt hatte. Ich habe an diesem Vormittag eine Ahnung davon bekommen, was dieser Ort auch für mich bedeuten kann. Trotz der vielen Schichten Geschichte, die hier zwischen mir und diesem Jesus von Nazareth liegen.
| May-Britt und ich vor der Grabeskirche |
Abgerundet wurde der Ostertag durch das Festessen im Beit Josef, bei dem sich unsere Köche selbst übertrafen.

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