Bei Bethlehem fällt einem sofort ein: "Ja da stand doch der Stall, in dem Jesus geboren wurde." So oder so ähnlich muss es auch Konstantin gegangen sein, denn er befahl dort in dem Dorf nahe Jerusalem eine große Kirche zu bauen. Das war 326 und faszinierenderweise steht ein beachtlicher Teil dieser Kirche immer noch. Freilich, es wurde angebaut, die Apsis umgebaut, Mosaike gelegt und nach dem Erdbeben war eine Erneuerung des Dachstuhles unumgänglich. Aber die Geburtskirche ist die einzige konstantinische Basilika hier im Land, die die Perser 614 nicht zerstört haben. Grabeskirche, Abendmahlskirche und sämtliche andere Kirchen in Jerusalem wurden zerstört und erst später meist in veränderter Form wieder aufgebaut.
| Der Eingang ist in den Jh. immer weiter geschrumpft und ist bei Touristenandrang kaum noch zu sehen. |
Inzwischen wird es immer schwieriger, selbst Gruppen durch Kirchen und Ausgrabungsstätten zu führen. Die Erlaubnis bekommen nur Reiseführer mit einer speziellen Ausbildung. Auch in Bethlehem war vor und in der Kirche jemand, der das kontrolliert hat.
| Blick in die fünfschiffige Basilika |
Was wenige wissen: Ähnlich wie in der Grabeskirche herrscht auch in der Geburtskirche eine "status quo-Regelung" zwischen den Konfessionen. Den größten Anteil hat die griechisch-orthodoxe Kirche. Deren Ikonenwand kann man vor den Touristen erahnen. Außerdem hängen in der ganzen Kirche Leuchter, die Weihrauchfässern ähneln. Vielleicht könnt Ihr erkennen, mit was sie verziert sind.
Eine Gestalt, an der man als Deutscher auch in Bethlehem nicht vorbeikommt, ist Kaiser Wilhelm II. In der Schule lernt man ihn v.a. als Kaiser kennen, der zielsicher etliche falsche Entscheidungen getroffen hat und am Ende ins Exil geht. In Jerusalem hat man für ihn extra die Stadtmauer an einer Stelle durchbrochen, dass er zu Pferde einreiten kann. Und er ließ sich einige Denkmähler setzen - pardon Kirchen erbauen, z.B. die Erlöserkirche nahe der Grabeskirche, "meine" Dormitiokirche und in der Nähe der Geburtskirche steht die Weihnachtskirche, an der er ebenfalls beteiligt war. Bis heute sind in den Glasfenstern dort deutsche Bibelzitate zu sehen, auch wenn inzwischen v.a. palästinensische ev.-luth. Christen darin beten.
| Aus dem arabischen Gesangsbuch - schaut ruhig mal genauer hin! |
Zu dieser Kirche gehört heute das Internationale Begebnungszentrum, geleitet vom Pfarrer Mitri Raheb. Er hat uns auch seine Sichtweise des israelisch-palästinensischen Konflikts erläutert. (Fußnote dazu: In Palästina sind nur 2 % der Bevölkerung Christen. Und aufgrund der Präsenz der Ostkirchen sind die Protestanten hier nocheinmal eine Minderheit innerhalb der Christen.) Ich habe einen Artikel dazu, den ich Interessierten gerne mailen kann.
Am späten Nachmittag gings am "Sicherheitszaun" entlang zu einem Trappistinnenkloster.
| Wenn man direkt an der Mauer entlang geht, wird einem ihre Größe und Unmittelbarkeit erst richtig bewusst. |
Die dort lebenden Nonnen haben uns nicht nur ihre Gemeinschaft und die Kirche vorgestellt, sondern auch denjenigen, die es wollten, die Füße gewaschen - eine seltsame, im ersten Moment befremdliche aber zugleich angenehme Erfahrung. Auch wenn es Überwindung kostet, die Schuhe und Socken auszuziehen, in denen wir zu dem Zeitpunkt schon ca. 10 Stunden des Tages verbracht hatten.
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