Für viele Menschen, die nach Jerusalem kommen, gehört ein Besuch in Yad Vashem, Gedenkstätte und Museum der Shoa, inzwischen dazu. Es ist ein großer Komplex mit einem Holocaust-Museum am Eingang und Erinnerungsplätzen für verschiedene Ereignisse und Gruppen.
Wir haben Yad Vashem im Rahmen einer Vorlesung zum israelisch-palästinensischen Konflikt besucht. Das mag auf den ersten Blick seltsam aussehen, macht aber aus zwei Gründen Sinn.
1. Von der Konzeption her gehört Yad Vashem untrennbar zu dem Herzl-Berg daneben und wird damit in eine Reihe gestellt, die auf die Staatsgründung Israels hinläuft. Die beiden Orte sind durch einen Pfad verbunden, der die Stationen von 1945 bis zur Staatsgründung und -festigung illustriert. Die Staatswerdung ist mit dem Krieg gegen die Palästinenser verquickt.
2. Yad Vashem und der Herzl-Berg wurden auf Hügeln errichtet, die vor 1948 von arabischen Familien bewirtschaftet wurden. Im Unabhängigkeitskrieg wurden die Palästinenser vertrieben und ihre Dörfer zerstört (im Arabischen wird diese Katastrophe Nakba genannt). Diese Erinnerung wurde praktisch mit der israelischen Erinnerung überbaut.
Ein Besuch dort ist zweifellos bedrückend. Trotzdem lohnt es sich, nicht in der Geschichte des Holocausts zu versinken, sondern Architektur und Konzeption des Museums wachsam in den Blick zu nehmen.
Für einen ersten Eindruck hier der Link zu ihrer Internetseite:
Der Herzl-Berg dagegen wirkt seltsam "inhaltsleer". Er ist nach Theodor Herzl (Begründer der zionistischen Idee) benannt und im Grunde voller Gräber und Kriegsdenkmäler - angefangen dem Herzls an der Spitze. Gestaltet wurde er als Ort den Unabhängigkeitstag zu feiern und als für den Staat wichtigerer Ort neben dem jüngeren Yad Vashem. Aber die Entwicklung zeigt, dass es für Staatsgäste aus dem Ausland und viele andere Besucher andersrum ist.
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