Montag, 16. September 2013

Priesterweihe in der Dormitio

Ich muss gestehen, ich war doch ziemlich nervös. Die Kirche rappelvoll, über 30 Priester und ich ministriere zum ersten Mal bei einer Priesterweihe. Und als Weihrauch is man halt auch der/die Erste, der die Kirche betritt. Des is dann der Moment, wo man sich doch fragt, warum man grad da ist, wo man ist. Denn die teilweise widersprüchlichen Ministrantenproben haben das ganze nicht einfacher gemacht. Und mit zwei Diakonen und einem Bischof, die die Gepflogenheiten in der Kirche nicht kennen, ist an Planen kaum noch zu denken.

Der Einstieg verlief dann auch leicht chaotisch. Der Wind am Hauptportal bließ die Kerzen aus, der Bischof ging gleich auf seinen Platz ohne vorher den Altar zu beweihräuchern und einer der Mönche hatte das falsche Buch für die anfängliche Befragung des Kandidaten. Rundum ein gelungener Einstieg :-).

Aber ab der Evangeliumsprozession haben wir dann alles gegeben. Nicht einmal die Osloer Männerschola, die sich vor unserem Zielort - dem Seitenaltar - aufgebaut hatte und ein "Angeber-Halleluja" (s.u.) schmetterte, konnte uns aufhalten. 

Und da sind wir schon an einem Punkt, warum das ziemlich sicher eine einzigartige Priesterweihe war. Neben einem Organisten, der das studiert hat, waren für die musikalische Gestaltung auch die Herren aus Oslo (wirklich hammermäßig!) und auch eine Damen- und eine Herrenschola aus unserem studentischen Kreis beteiligt. 

Aber es geht noch weiter, warum der Gottesdienst so besonders war: Das Evangelium wurde zweimal verkündet, einmal auf französisch und einmal auf arabisch von einem orthodox-unierten Priester. Die eigentliche Weihe war dann auf Deutsch und danach ging es munter mit Latein weiter.

Die Allerheiligenlitanei vor der Handauflegung durch den Bischof war zwar lang, aber für Nikodemus auch sehr bewegend. Da er sich in seiner Promotion mit Heiligen beschäftigt hat, war sie anders (und ein STück weit interessanter) als die klassische Litanei. Die evangelischen SängerInnen der Schola hatten es also nicht leicht.

Nach der Eucharistiefeier fiel dann alle Anspannung von mir/uns ab und beim Auszug war die Stimmung gelöst. Dann gab es noch ein Gruppenfoto und endlich nach 2,5 Stunden reichlich Essen und Trinken - einer der Mönche grillte Currywürste, ein anderer zapfte palästinensisches Bier, es gab Wein, Salate, Nudeln, ... Wie gut, dass wir Studenten so einen kurzen Heimweg haben.

Bilder habe ich keine gemacht, ich hoffe aber, dass wir von der abkommandierten Fotographin von der Abtei welche bekommen und dann seid ihr natürlich die Ersten. :-)

PS: Vielleicht sollte ich noch einen Begriff erklären - Angeber-Halleluja. Die Benediktiner singen sehr viel gregorianischen Choral und besonders die Hallelujarufe zeichnen sich durch manchmal endlose Tonfolgen auf den Vokal a. Ein früherer Student hat dann diesen Begriff Angeber-Halleluja dafür geprägt.

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