Donnerstag, 19. September 2013

Jüdische Feste

Wegen der ökumenischen und interreligiösen Ausrichtung des Studienjahres ist es üblich, dass wir an Schabbat (Samstags) und an hohen jüdischen Feiertagen frei haben. Das begann Anfang September mit dem jüdischen Neujahrsfest Rosch Ha-Schana (dt. Kopf des Jahres). An diesem Tag ist es üblich im Tora-Gottesdienst auf dem Schofar (Widderhorn) zu blasen. Es dient dazu, die Menschen aus ihrem Alltag herauszureißen. Ich habe das in einer Conservative Synagogue miterlebt (eher links eingestellt, hier tragen auch Frauen Gebetsschals und Kippas und treten vor. Die Gemeinde sitzt gemischt.). 


Nach dem Neujahrsfest folgen 10 Bußtage bis Yom Kippur. Das war letzten Samstag. Es ist das Versöhnungsfest, geprägt von langen Synagogengebeten und "Hardcore-Fasten" d.h. kein Essen und Trinken, kein Waschen, kein Salben der Haut, keine Lederschuhe und kein Geschlechtsverkehr. Einige vom Studienjahr haben mitgemacht und was Essen und Trinken angeht tapfer durchgehalten. (Beim Waschen gibt es Rabbinen, die es etwas lockerer sehen und z.B. das Händewaschen nach dem Toilettenbesuch erlauben.) Allerdings schlug zwei von ihnen das üppige Buffet nach der Priesterweihe nur 15 Stunden später auf den Magen. 

Viele Juden tragen an Yom Kippur ganz weiße Kleidung, (wie das klassische Totengewand), um an das himmlische Gericht zu erinnern. Die ganze Zeit um Neujahr dient dazu sich mit Gott und v.a. mit seinen Mitmenschen zu versöhnen und daraufhin von Gott in das "Buch des Lebens" geschrieben zu werden. Dahinter steckt die Vorstellung, dass Gott vor drei Büchern sitzt, dem Buch des Lebens, dem Buch des Todes und dem dazwischen. Und alle versuchen natürlich in das erste Buch geschrieben zu werden. 

Yom Kippur ist in Israel ein sehr stiller Tag. Noch mehr als am Schabbat steht das öffentliche Leben still. Kinder können mitten auf der Straße spielen. An der Klagemauer wird stumm gebetet. Eine faszinierende Stimmung. Am Ende des Fasttages, nach dem letzten Gebet wird noch einmal auf dem Schofar geblasen und dann wechselt schlagartig die Stimmung in Ausgelassenheit. In vielen Synagogen und an der Klagemauer gibt es ein gemeinsames Fastenbrechen mit Getränken und Essen.

Und da schon bald Sukkot - das Laubhüttenfest beginnt, legen die meisten schon los sich solche Laubhütten zu bauen. Das Wichtigste Element ist das Dach. Es darf nur aus nicht weiter verarbeitetem pflanzlichem Material bestehen, das aber nicht mehr in der Erde steckt, z.B. Bambus oder Palmzweige. Außerdem muss man vom Inneren der Hütte aus die Sterne sehen können und bei Tag mehr Schatten als Sonne in der Hütte haben.
Das ist unsere Sukka. Im Hintergrund sieht man den Kirchturm der Dormitio.
Sukkot ist ein fröhliches Fest, das an die Zeit in der Wüste (nach dem Auszug aus Ägypten) erinnert und wie Gott die Israeliten dort beschützt hat. In orthodoxen jüdischen Familien wird in derLaubhütte sowohl gegessen als auch geschlafen. Manche verlegen ihren ganzen Haushalt in ihre Hütte(n). In der rabbinischen Literatur gilt Sukkot als der Zeitraum, in dem Gott festlegt, wie viel Regen im Winterhalbjahr fallen wird.

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