Unser Reiseleiter Ahmad verstand
es uns für den zweiten Abschnitt der Reise Mut zu machen: „Wenn wir erst einmal
drin sind, gibt es kein Zurück. Da gibt es keinen Handy-Empfang, es kommt kein
Fahrzeug oder Esel rein. Dann müssen wir den Weg zu Ende gehen.“ Um uns also
für diesen Gang zu rüsten, wurden Schlafsack, Ersatzkleidung und Fotoapparate
wasserdicht verpackt und Gemüse, Nudeln, Konserven und Fladenbrot eingekauft.
Denn jetzt gibt es keine Beduinen mehr, die uns Lammschaschlik oder Hähnchen
auf jordanische Art zubereiten.
| "Noch jemand etwas Brot?" |
Die Landschaft bot einen herrlichen Kontrast zum sandigen Wadi Rum.
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| Und schon waren wir bis zu den Knien im Wasser |
Der Einstieg am Nachmittag des ersten Tages war aber dann
überraschend entspannt. Bergab wurde es immer grüner und wir gingen unsere ersten
Meter durch seichtes, sanft dahinströmendes Wasser. Es war angenehm warm verglichen
mit heimischen Bächen. Am Ufer wuchsen üppig grüne Gräser und Büsche. Schon
nach 2 Stunden erreichten wir den ersten Nachtlagerplatz in der Nähe eines Wasserfalls.
Nach dem Feuerholzsammeln beschloss ein Großteil der Gruppe erstmal sich zu waschen
inkl. den Wanderklamotten am Leib. Die hatten es ja genauso nötig.
Zum Abendessen gab es Nudelsuppe, Fladenbrot und schwarzen
Tee. Währenddessen wurde es dunkel und mit der Zahl der Taschenlampenlichter
wuchs exponentiell die Zahl der Insekten, die mit uns die Abendandacht hielten.
Am nächsten Morgen ging’s dann erst mal steil Berg auf
und dann wieder steil nach unten – eine herausfordernde Strecke für alle mit
Höhenangst. Aber alle haben sie erfolgreich hinter sich gebracht. Danach ging
es wie von Ahmad angekündigt meist durchs Wasser. Dafür haben sich viele
Studienjährler spezielle Sandalen zugelegt, die, so Assistentin Maria, „geschlossen
und gleichzeitig offen“ sind. Das Wasser floss mühelos hindurch, jedoch die
kleinen Steinchen verfingen sich in den hinten offen und vorne geschlossenen
Schuhen sehr gerne.
Wohltuende Erholung für die Füße gab es an den zahlreichen
heißen Quellen, die hier und dort aus dem Boden sprudelten. An einer Stelle
sammelte sich das Wasser auch in einem kleinen kniehohen Pool, den wir
natürlich sofort ausprobiert haben. Gut dass die Funktionskleidung auch am
Körper schnell trocknet bzw. die Hosenbeine eh gleich wieder nass werden.
| Fast wie in der Therme |
Am Vormittag kamen wir noch gut voran, aber mittags wurde
es schwieriger. Eine Studentin hatte sich ernsthaft am Knie verletzt und wir
drosselten das Tempo. Deshalb kamen wir nicht ganz so weit, wie von den Guides
geplant. Kurz vor unserem Rastplatz für die Nacht begegneten wir zwei sehr
zutraulichen Wildeseln. Sie ließen sich anstandslos von uns streicheln,
fotografieren und folgten uns die letzten 50 m zu unserem Lager.
Doch so leicht sie sich streicheln ließen, so schwer wurden
wir sie wieder los. Sie waren wie Souvenirverkäufer, sie ließen sich einfach
nicht abschütteln. Munter ging es über die schon ausgerollten Isomatten, es
wurde an den Rucksäcken geschnuppert und an dem einen oder anderen Schlafsack
geknappert. Nur mühsam und mit unmissverständlichen Argumenten konnten wir sie
von unserm Nachtlager abbringen. Nach der Nudelsuppe ging es zeitlich ins Bett,
denn am nächsten Morgen wollten wir schon eine Stunde früher starten, um die
Verspätung wieder wett zu machen.
In der Früh um 5 Uhr wurden wir von sanften Melodika-Tönen
geweckt. Wieder hieß es zusammenpacken, frühstücken (es gab übrigens
jordanisches Nutella aufs Pita) und aufsatteln für das letzte Stück Weg durchs
Wadi Hesa.
| Eine der steilsten Stellen |
| Die Karawane zieht weiter |
| Faszinierende Landschaft |
Die ganze Wanderung war einerseits geprägt von der
beeindruckenden Landschaft, den Pflanzen und Tieren am und im Wasser – von Eseln
bis hin zu Fröschen und Libellen. Andererseits war an vielen Stellen kein Pfad erkennbar,
das Wasser an etlichen Stellen tückisch, die Steine, über die wir gingen,
wackelig. Und an diesen Stellen, wo eine helfende Hand, ein Wegbegleiter oder
Mutmacher gefragt war, gab es immer jemanden in der Gruppe, der zur Stelle war.
Keiner wurde alleingelassen und so haben wir den Weg gemeinsam geschafft und
beim Verlassen des Wadis am Horizont das Tote Meer und dahinter israelische
Berge gesehen. Der zweite Guide, den wir dabei hatten, sagte am Schluss treffend:
„You were like a Family. That‘s great.“ Geschafft saßen wir im Bus auf dem Weg
nach Petra ins Hotel. Denn damit war unser Leben in der Natur erst mal zu Ende.
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